Skifahren
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Zukunft Wintertourismus – Chancen nutzen und Verantwortung übernehmen!

Leere Pisten, leere Betten, steigende Arbeitslosenzahlen – der vergangene Winter hat die Bedeutung des Bergsports sowohl für die Einheimischen als auch für das Land als Ganzes mehr als deutlich gemacht. Die Pandemie hat zudem gezeigt, dass die Seilbahnen ihre Verantwortung wahrnehmen und Chancen schaffen: Für den Standort, die Region und die Menschen, die hier leben. Eine Landtagsanfrage der Abgeordneten Nadine Kasper (Grüne), die dies in Frage stellt, stößt bei der Fachgruppe auf Unverständnis. Nicht nur der Zeitpunkt – Stichwort Omikron-Welle, Fachkräftemangel etc. – sei denkbar ungünstig, auch das Format gelte es zu hinterfragen. Denn um Zukunft zu gestalten müsse man miteinander reden, anstatt übereinander, sind sich die Vorarlberger Bergbahnen einig, die im Folgenden die Fragen öffentlich beantworten. Fast alle abgefragten Informationen werden von der Fachgruppe ohnehin regelmäßig kommuniziert.


Die Vorarlberger Seilbahnbetreiber leben selbst in der Region. Sie alle verbindet eine Leidenschaft für die Natur und ihren Beruf. „Es ist unser Selbstverständnis, dass wir unserer Arbeit immer mit der notwendigen Achtsamkeit und mit Blick auf unsere Verantwortung und unseren Qualitätsanspruch nachkommen. Daran messen wir uns. Die heimischen Berge sind unser Kernprodukt und unsere berufliche Existenzgrundlage. In unserer Arbeit verbinden wir ökonomische und ökologische Überlegungen mit dem Ziel, wertvollen Lebensraum zu gestalten und ihn für alle aufzuwerten und zu erhalten. Für uns, aber auch für die nächste Generation. Naturschutz und Wirtschaftlichkeit schließen sich dabei nicht aus, sondern funktionieren nur miteinander“, erklärt Andreas Gapp, Obmann der Fachgruppe der Vorarlberger Seilbahnen.  

Frage 1: Wieviel Prozent der Pisten werden in Vorarlberg beschneit? Wie entwickelte sich dieser Wert in den letzten zehn Jahren?

Schnee bzw. Schneesicherheit sind die TOP-Entscheidungskriterien für jeden Gast, der in Vorarlberg Urlaub macht. Egal ob Skifahren, Langlaufen, Rodeln oder Spazieren – wer im Winter zu uns kommt erwartet sich vor allem Schnee. Um dieser Erwartungshaltung gerecht zu werden und unseren Gästen Planungssicherheit bieten zu können, beschneien wir. Damit schaffen wir auch eine stabile Basis für die Wertschöpfung der gesamten Wintertourismusbranche. Die Vorarlberger Seilbahnbetriebe haben daher in den vergangenen Jahren umfassend in die Schneesicherheit investiert[1]. Vor allem aber geben wir dank der Schneesicherheit jedes Jahr tausenden Wintersportbegeisterten die Möglichkeit, Freude und Spaß beim Skifahren zu erleben. Dafür sind aktuell rund 2.500 Schneeerzeuger in Vorarlbergs Skigebieten im Einsatz[2]. Im Winter 2010/11 waren es noch rund 800 Geräte. Zum Anteil der beschneiten Pisten in Vorarlberg liegen keine validen Werte vor. Einzelne Skigebiete arbeiten aktuell noch ganz ohne Beschneiung, evaluieren diese Möglichkeiten aber zum Teil ebenfalls. Die Fachgruppe der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Vorarlberg lädt seit Dezember 2017 jährlich - sofern es die Corona-Maßnahmen zugelassen haben - zu einer Pressekonferenz ein, um die Öffentlichkeit über das Thema zu informieren und die Bedeutung von Schneesicherheit für das Land Vorarlberg zu unterstreichen.  

Frage 2: Wie wirkt sich eine durchschnittliche Erwärmung von +1°C, +2°C und +4°C auf die Schneesicherheit in den Skigebieten Lech-Zürs-Stuben, Damüls-Mellau, Warth-Schröcken, Diedamskopf, Silvretta Montafon, Gargellen, Golm, Brandnertal, Sonnenkopf und Laterns-Gapfohl aus?

Der Vollständigkeit halber vorweg: In der Aufzählung fehlt eine der größten Tourismusdestinationen in Vorarlberg – nämlich das Kleinwalsertal. Unabhängig davon gehen wir davon aus, dass wir auch noch in den nächsten Dekaden ausreichend Schnee haben, um den Betrieb gewährleisten zu können. Daher werden wir auch weiterhin in die Qualität unserer Infrastruktur und Produkte investieren. Konkret kann diese Frage jedoch wohl niemand mit absoluter Sicherheit beantworten. Was wir aber tun können, ist, unsere Verantwortung gegenüber unseren Betrieben, den Mitarbeitenden und gegenüber der Region ernst zu nehmen und die Chancen zu nutzen, die sich uns bieten. Zudem gibt es auch finanzielle Rückstellungen für den Abbau von Seilbahnanlagen – sollte dies irgendwann notwendig werden. Seilbahnen werden zudem nicht nur für den Winterbetrieb, sondern auch im Sommer benötigt und rege genutzt. Seit Jahren gibt es große Anstrengungen der Bergbahnbetriebe und ihrer Partner, den Ganzjahrestourismus in Vorarlberg auszubauen. Entsprechend umfangreich ist mittlerweile das Sommer-Erlebnisangebot. Auf diese Weise werden die Anlagen noch effizienter genutzt. Sie erschließen insbesondere für die einheimische Bevölkerung Naherholungsmöglichkeiten und Freizeitspaß und schaffen damit Lebensqualität. Gleichzeitig werden wertvolle Ganzjahresarbeitsplätze in der gesamten Tourismusbranche geschaffen. Die Vorarlberger Natur ist ein Juwel, das von jedem – egal ob Privatperson oder Unternehmen – mit größter Achtung zu behandeln ist. Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass die Wirtschaftlichkeit der Seilbahnen und der Naturschutz Hand in Hand gehen. Schließlich ist der Umsatz der Seilbahnunternehmen maßgeblich davon abhängig, ob die Touristen sich von der Schönheit der Vorarlberger Natur angezogen fühlen oder nicht – und dies sowohl im Winter als auch im Sommer. 

Frage 3: Wie hoch ist der Wasser- und Strombedarf pro produzierter Einheit Schnee in den jeweiligen Skigebieten bzw. Wie hoch schätzen Sie diesen ein? A) Wie hoch war der jährliche Wasser- und Strombedarf für die Schneeerzeugung in den letzten drei Jahren in den unter 2) angeführten Skigebieten?

Zur Erinnerung – für die technische Beschneiung wird lediglich Wasser, Luft und Strom benötigt. Das Prinzip der Schneeerzeugung ist dabei ein rein physikalischer Vorgang: Wasser wird zu feinsten Tröpfchen zerstäubt und ausgeschleudert. Das dafür benötigte Wasser gelangt als Schmelzwasser zu einem späteren Zeitpunkt wieder in den natürlichen Kreislauf zurück. Zudem decken die Skigebiete österreichweit ihren Energiebedarf bereits zu knapp 90 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen und durch laufende technische Verbesserungen wird der Energieverbrauch kontinuierlich gesenkt. Aktuell werden pro Kubikmeter technisch erzeugtem Schnee lediglich ein bis drei kWh benötigt – so viel wie eine herkömmliche Waschmaschine pro Waschgang verbraucht. So können wir unseren Gästen Planungssicherheit bieten. Diese Informationen werden ebenfalls im Rahmen der jährlichen Schneesicherheit-Pressekonferenz (Corona-bedingt zuletzt im Dezember 2019) veröffentlicht. 

Frage 4: Kann die Erwärmung um +1°C, +2°C und +4°C durch den vermehrten Einsatz von Beschneiungsanlagen in den erwähnten Skigebieten kompensiert werden?

Wie stark und in welchem Zeitraum sich das Klima verändert, wird von der Wissenschaft unterschiedlich beurteilt. Ein statistisches Mittel ist in der Realität nicht anzutreffen – es gibt sehr kalte, ebenso wie sehr warme Perioden – so zeigt es unsere Erfahrung der vergangenen Jahre. Hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nicht. Daher ist es wichtig, die Chancen, die sich bieten, zu nutzen und Verantwortung zu übernehmen – für die Natur, die Region und die Menschen, die hier leben – und unseren Gästen Planungssicherheit zu geben.  

Frage 5: Fördern der Bund und/oder das Land Vorarlberg Beschneiungsanlagen? Wenn ja, an welche Kriterien ist die Vergabe der Fördergelder gebunden und welche Gesamtsumme an Fördergeldern wurde in den letzten fünf Jahren durch Bund und/oder Land ausgezahlt?

Die Vorarlberger Bergbahnen sind gesunde Unternehmen, die sich wirtschaftlich selbst tragen. Das zeigt sich auch daran, dass die großen Skigebiete die Klein- und Kleinstskigebiete im Rahmen der Kleinliftförderung unterstützen. Pro Jahr steht ein Fördertopf in Höhe von 100.000 Euro zur Verfügung für Skigebiete, die maximal 10.000 Personen/h befördern und die sich in einer wirtschaftlich angespannten Situation befinden. Das Land Vorarlberg und die Fachgruppe der Seilbahnen beteiligen sich je zur Hälfte an den Förderungen für Investitionen in Instandhaltungsmaßnahmen bzw. zur Aufrechterhaltung des Liftbetriebs in Klein- und Kleinstskigebieten. Diese Skigebiete liegen meist im Nahbereich großer Ballungsräume und stellen ein wichtiges Angebot für die Jugend und die Familien dar. Ganz im Sinne der Marke Vorarlberg verfolgen wir damit das Ziel, Chancen zu schaffen und Jugendlichen den Zugang zu wohnortnahen Wintersportmöglichkeiten niederschwellig zu ermöglichen. Im Februar 2021 haben wir im Rahmen einer Presseaussendung über die Kleinliftförderung informiert und darüber berichtet, dass es diese trotz der schwierigen Wintersaison auch 2021 und 2022 geben wird[3]. Ergänzend unterstützen viele größere Skigebiete kleinere Liftbetriebe in ihrer räumlichen Nähe immer wieder, etwa mit Material und Know-how – kollegial und unbürokratisch. 

Frage 6: Welche Skigebiete erhielten in den letzten fünf Jahren Fördergelder des Landes Vorarlberg? Wie hoch waren die jeweiligen Fördergelder?

Die unter Punkt fünf genannten Förderungen haben erhalten: Hochlitten, Gurtis, Furx, Haldenlifte Schwarzenberg, Ebnit, Großwalsertaler Seilbahn Sonntag-Stein, Hittisau, Hagenberg, Bazora, Alberschwende, Nachtskilift Tschardun, Übersaxen, Sibratsgfäll, Schneiderkopf Buch. Gefördert werden Investitionen ab einer Höhe von € 50.000 mit einem Einmalzuschuss von 20 Prozent der förderbaren Kosten. Der jährliche Zuschuss ist mit maximal € 30.000 je Skiliftunternehmen begrenzt[4].  

Frage 7: Wieviel Prozent der Gäste – auch Tagesgäste – reisten in den Wintersaisonen 2018/19, 2019/20 und 2020/21 mit dem PKW in die angeführten Skigebiete? Wie viele nutzten hierfür die öffentlichen Verkehrsmittel?

Das wissen wir nicht. Was wir wissen, ist, dass wir in Vorarlberg ein großes Angebot für alle Zielgruppen und Preisklassen bieten – und sich dieses auch größter Beliebtheit erfreut. Wir würden es trotzdem sehr begrüßen, wenn die Anbindung der Vorarlberger Skigebiete an den öffentlichen Verkehr weiter ausgebaut und die Taktung intensiviert würde. Wir würden uns auch freuen, wenn der zuständige Landesrat Rauch eine entsprechende Initiative auf den Weg bringen würde. Fakt ist: Unsere Gäste sind Qualitätsprodukte gewohnt – das erwarten sie sich auch von der Anreise. Entsprechend unkompliziert muss auch die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich sein.  

Frage 8: In welchen Skigebieten werden Parkgebühren in welcher Höhe eingehoben?

siehe Übersicht am Ende 

Frage 9: Welche touristischen Förderungen des Landes zielen darauf ab, die Entwicklung des Wintertourismus in Richtung mehr Nachhaltigkeit zu lenken?

Nachhaltigkeit beinhaltet neben den ökologischen auch soziale Aspekte. Wir wären froh, wenn es eine gute Landesförderung diesbezüglich geben würde. Wir sehen uns aber auch in der Verantwortung, unabhängig von öffentlichen Förderungen in Nachhaltigkeit zu investieren und tun dies bereits seit Jahren – ob in Elektrofuhrparks, die größte E-Ladegarage Vorarlbergs, Renaturierungsmaßnahmen, Aufforstung oder stromrückgewinnende Seilbahnanlagen. Die Seilbahnbetreiber leben alle selbst in der Region. Die Vorarlberger Berge sind unsere Heimat, unsere Leidenschaft und unsere berufliche Existenzgrundlage. In diesem Sinne ist es unser ureigenstes Interesse, diese zu erhalten und zu schützen. Nicht zuletzt möchten wir auch der nächsten Generation die Chance geben, die Lebensqualität, die uns die Vorarlberger Bergwelt bietet, zu erleben.  

„Soweit zur Beantwortung der Fragen. Nachdem es aber auch gut ist, nicht nur schriftlich, sondern auch persönlich miteinander zu reden, lade ich Frau Kasper sehr gerne für ein Gespräch ins Kleinwalsertal ein. Gemeinsam können wir uns dann über die Zukunft der Bergbahnen – über unsere Verantwortung, Chancen und Möglichkeiten – unterhalten“, sagt Gapp abschließend.  

Fachgruppe der Seilbahnen Vorarlberg

Die Fachgruppe der Seilbahnen Vorarlberg vertritt die Interessen von 71 Mitgliedern und 32 Skigebieten. Vorarlbergweit sind 299 Bahnen und Lifte in Betrieb, die insgesamt rund 1.000 Pistenkilometer bedienen. Durchschnittlich sind über 1.000 Mitarbeitende und 20 Lehrlinge bei den Vorarlberger Seilbahnbetrieben beschäftigt. Jährlich erwirtschaften die Vorarlberger Seilbahnen einen Nettoumsatz aus Personenbeförderung von rund 150 Millionen Euro und reinvestieren im Schnitt 50 Millionen Euro. 

Factbox Seilbahnen Vorarlberg:

Vorstand:          Obmann Dr. Andreas Gapp (Kleinwalsertaler Bergbahn AG)
Obmann-Stv. Mag. Christoph Pfefferkorn (Skilifte Lech Ing. Bildstein GmbH)

                        Obmann-Stv. Thomas Lerch (Gargellner Bergbahnen GmbH & Co KG)

                        Geschäftsführer Mag. Michael Tagwerker

Mitglieder:         71 Betriebe, 32 Skigebiete

Liftanzahl:         299 Seilbahnen, Sessellifte, Schlepplifte


[1]  https://www.wko.at/branchen/vbg/transport-verkehr/seilbahnen/Vorarlberg_ohne_Beschneiung-im-November_Dezember.pdf

[2] https://www.wko.at/branchen/vbg/transport-verkehr/seilbahnen/Factsheet_2020_21.pdf

 

[3] https://www.wko.at/branchen/vbg/transport-verkehr/seilbahnen/foerderung-kleinstskigebiete.html

[4] https://vorarlberg.at/documents/302033/472408/Klein-+und+Kleinstskigebietef%C3%B6rderung+-+Richtlinie+2021.pdf/12f17e20-c521-bead-8198-f4b010436c8d?t=1631611435883

 


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