Die Mitglieder der Fachgruppe Güterbeförderungsgewerbe der Wirtschaftskammer Vorarlberg trafen sich vergangenen Mittwoch zur Jahrestagung – Themen im Fokus: der akute Fahrermangel und der anstehende Mobilitätsumbruch.
© Dietmar Mathis

Güterbeförderer: Wasserstoff-Mobilität und Fahrermangel beschäftigen Branche

Der akute Berufskraftfahrermangel und die Umstellung auf CO2-neutrale Kraftstoffe sind die Themen, die die heimischen Güterbeförderer beschäftigen. Im Rahmen der am vergangenen Mittwoch stattgefundenen Mitgliederversammlung der Transporteure wurde ein seit Januar dieses Jahres im Einsatz befindlicher Wasserstoff-Lkw und die damit gesammelten Erfahrungen präsentiert. Im Fokus der Branche stehen neben den neuen Mobilitätsthemen auch die Tücken der Nachwuchsarbeit.

Rund 450 Mitglieder zählt die Fachgruppe Güterbeförderungsgewerbe der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Bei der Jahrestagung am 6. Oktober 2021 besprach die Fachgruppe die dringlichen Anliegen der Branche wie den akuten Mangel an Berufskraftfahrern sowie aktuelle Agenden rund ums Thema Zukunft der Mobilität. „Mit dem stattfindenden Mobilitätsumbruch ergeben sich neue Herausforderungen – neben den bestehenden – die wir als Branche nur vereint meistern können“, unterstreicht Michael Zimmermann, Obmann der Fachgruppe Güterbeförderungsgewerbe, die Bedeutung des Zusammenhalts und des gemeinsamen Vorgehens. „Gerade was die Zukunft betrifft, werden wir nur miteinander überzeugen können. Unsere Branche ist gefragt, aber auch gefordert – wie am Beispiel Großbritannien ersichtlich wird, sind unsere Dienstleistungen für die Gesellschaft unverzichtbar. Das tägliche Leben bricht zusammen, wenn wir unseren Aufgaben nicht mehr nachkommen. Leere Regale in England sind aktuell das beste Beispiel dafür. Gleichzeitig werden die Rahmenbedingungen immer schwieriger und der akute Fahrermangel beschäftigt uns alle gleichermaßen,“ betont Michael Zimmermann.      

Erster Wasserstoff-LKW in der Ostschweiz im Einsatz

Zu den großen Themen zählt für das Güterbeförderungsgewerbe die mittel- bis langfristige Umstellung auf CO2-neutrale Kraftstoffe. Seit Ende Januar 2021 hat das Transport- und Logistikunternehmen Gebrüder Weiss seinen ersten Wasserstoff-betriebenen Lkw in der Ostschweiz im Einsatz. Der Lkw ist ein 36-Tonner, angetrieben von einem 350 Kilowatt-Elektromotor, der für den Transport von rund 25 Tonnen Ware ausgelegt ist. Die Reichweite beträgt circa 400 Kilometer. Mit dem Nutzfahrzeug können pro Jahr circa 80 Tonnen an CO2-Emmissionen eingespart werden. „Die Erfahrungen, die wir in diesen rund acht Monaten sammeln konnten, sind für uns sehr wertvoll – auch hinsichtlich zukünftiger Planungen. Langfristig möchten wir, abhängig von der Verfügbarkeit der Tankinfrastruktur, Servicemöglichkeiten und Lieferkapazitäten, etwa zehn Fahrzeuge pro Jahr für die Region D-A-CH anschaffen“, berichtet Dr. Peter Waldenberger, Leiter des Qualitäts- und Umweltmanagements bei Gebrüder Weiss, der das Fahrzeug und die erfassten Erkenntnisse den interessierten Transporteuren im Rahmen der Mitgliederversammlung vorstellte. „Das gesetzte EU-Ziel, den CO2-Ausstoß der Lkw-Flotten bis 2030 um 30 Prozent zu senken betrifft uns alle – umso wichtiger ist es, dass wir gemeinsam eine technologieoffene Diskussion im gesamten Bereich der Mobilität führen“, erklärt Fachgruppenobmann Zimmermann.  

Nachwuchsmangel und Lehrlingsarbeit innerhalb der Branche

Eine Problematik, die ebenso die gesamte Branche betrifft, ist der akute Berufskraftfahrermangel. Um diesem entgegenzutreten, veranstalten die Transportunternehmen mit Unterstützung der Wirtschaftskammer Vorarlberg gemeinsame Aktionen zur Bewerbung des Lehrberufs. Unter anderem organisieren die Transporteure Berufsinfotage in den Betrieben und sind auch mit einem Stand auf Ausbildungs- und Lehrlingsmessen wie der i-Messe vertreten. Erklärtes Ziel dabei ist es, den Lehrberuf des Berufskraftfahrers bzw. der Berufskraftfahrerin bekannt zu machen und für eine allgemeine Aufwertung des Berufsbilds zu sorgen. „Der Beruf soll für junge Frauen und Männer attraktiv werden – und es ist uns auch ein Anliegen, in der Bevölkerung die Wertschätzung für den Berufsstand zu erhöhen“, betont Fachgruppen-Geschäftsführerin Carolin Zajonz.    

Ausbildung zum Berufskraftfahrer – dreijähriger Lehrberuf 

Ein Beispiel für den Ablauf einer erfolgreichen Lehrlingsausbildung präsentierte Daniela Alge, zuständig für den Bereich Lehrlingsausbildung bei Scheffknecht Transporte. „Wir haben mit der Ausbildung im eigenen Haus in diesem ersten Jahr seit Startschuss bisher sehr gute Erfahrungen gemacht“, berichtet die Lehrlingsausbilderin. „Wir haben im Sommer 2020 begonnen, zwei Lehrlinge als Berufskraftfahrer auszubilden und sind bislang sehr zufrieden. Wichtig ist uns, eine ausgewogene Ausbildung zu bieten – mit Einblicken in die Werkstatt, ins Lager und auch ins Büro. Die Ausbildung als Fahrer erfolgt dann stufenweise – vom Beifahrer bzw. Lkw-Führerschein, die spezifische Ausbildung hängt dabei unter anderem vom Alter des Lehrlings ab“, erläutert Daniela Alge. Bei der Ausbildungsplanung im Vorfeld erhalten die Betriebe Unterstützung von der Wirtschaftskammer. „Die Lehrlingsstelle stellt Unterlagen zur Verfügung, beantwortet Fragen und hilft unkompliziert bei der gesamten Abwicklung. Außerdem erhalten die Betriebe eine Förderung von 75 Prozent im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung, was bis zu 3000 Euro pro Lehrling entspricht“, erklärt Carolin Zajonz abschließend.



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