Tourismusstrategie
© Mathis Fotografie

Tourismus startet mit Strategie für 2030 neu durch

 Parallel zum anlaufenden Neustart des Tourismus erfolgte der „Kick Off“ zum Entwicklungsprozess einer Tourismusstrategie Vorarlberg 2030.

Bei der digitalen Veranstaltung, zu der Tourismuslandesrat Christian Gantner, Wirtschaftslandesrat Marco Tittler, der Vorarlberger Wirtschaftskammerpräsident Hans Peter Metzler und Spartenobmann Markus Kegele einluden, wurden erste Ergebnisse der Evaluierung der bisherigen Tourismusstrategie 2020 vorgestellt. An dieser Bestandsaufnahme haben sich in den vergangenen Wochen mehrere hundert Personen aus dem ganzen Land beteiligt. Erfreuliche Erkenntnis dabei: Die schon bisher verankerten Leitwerte „Gastfreundschaft, Regionalität und Nachhaltigkeit“ haben ihre Wirkung entfaltet und sind bei Touristiker:innen landauf landab bekannt. Das dient nun als Basis für die Ausarbeitung der künftigen Strategie.

 Vorarlberg ist nach Meinung aller mit dem Tourismus verbundenen und befragten Stakeholder zu 74 Prozent gastfreundlich. Zum Vergleich schreiben 63 bis 68 Prozent der Gäste dem Land diese Eigenschaft zu, was österreichweit einen Spitzenwert darstellt. Die Nachhaltigkeit des hiesigen Tourismus sehen die touristischen Stakeholder zu 59 Prozent erfüllt, während 22 bis 27 Prozent der Gäste diese Eigenschaft mit dem Urlaubsland Vorarlberg in Verbindung bringen. Hier zeigt sich noch Nachholbedarf.

Insbesondere im strategisch wichtigen Bereich „Bildung, Fachkräfte und Arbeitsmarkt“ wurden aus Sicht der Befragten u.a. mit der Tourismusschule GASCHT und der StarCard für Mitarbeitende wirksame Projekte umgesetzt. Weiters ein besonderer Fokus sollte auch in den nächsten Jahren auf die Fort- und Weiterbildung gelegt werden. Entwicklungspotenziale gibt es demnach auch bei der Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Landwirtschaft, der Positionierung als Modellregion für umweltfreundliche Mobilität im Tourismus sowie bei der Digitalisierung, die in der Tourismusstrategie 2020 bzw. bei deren Vorstellung im Jahre 2012 noch kein relevantes Thema war. Gut erfüllt sind aus Sicht der Befragten die Landesziele zur Positionierung Vorarlbergs als Tourismusland mit hoher Innovationskultur, Qualität und Kultur der Gastfreundschaft sowie jene zur Abstimmung der Strategien der Destinationen mit den Zielen der bisherigen Tourismusstrategie. 

Große Bedeutung des Tourismus für Vorarlberg

Bestätigt hat die Evaluierung die in der Pandemie bereits spürbar gewordene volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für Vorarlberg. Jeder für das touristische System von der öffentlichen Hand eingesetzte Euro wird durch die Leistungen der Beherbergungsbetriebe versiebzigfacht. Damit erwirtschaftet allein der Nächtigungstourismus nahezu drei Milliarden Euro an Bruttoregional-Wertschöpfung. Unter anderem als eine Folge daraus sehen über 80 Prozent der in Vorarlberg wohnhaften Erwachsenen den Tourismus als „sehr positiv“ bis „positiv“, was eine aktuelle, im Zuge der Evaluierung durchgeführte, Online-Umfrage ergibt. Beide Studien – jene zur Wertschöpfung und jene zur Tourismusgesinnung – werden nach detaillierter Auswertung zu einem späteren Zeitpunkt einzeln vorgestellt.  

Aus Sicht der beiden Regierungsmitglieder ist die Zielrichtung der neuen Tourismusstrategie klar. Landesrat Christian Gantner sieht den Tourismus in Vorarlberg als „Energiequelle für eine nachhaltige Lebensraum-Entwicklung und eine funktionierende Regionalwirtschaft“. Volle Hotelbetten seien wichtig, aber nur ein Baustein von vielen, betonte er bei der „Kick Off“-Veranstaltung: „Wir müssen unsere Kräfte auf ein aktives Destinations- und Lebensraummanagement richten, denn das Vernetzen der unterschiedlichen Akteure und Bereiche birgt ein großes Potenzial. Unser wichtigstes Potential sind weiterhin die Mitarbeitenden im Tourismus. Wir müssen den Arbeitsplatz noch weiter attraktiveren. Die Branche ist grundsätzlich ein krisensicherer Arbeitsplatz. Unsere Berge und unsere Gastfreundschaft kann man nicht auslagern.“ 

Auch Landesrat Marco Tittler betonte die Rolle der Tourismus- und Freizeitwirtschaft in Vorarlberg als Impulsgeber für andere Branchen und Bereiche, der Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung sichert. Die Tourismusstrategie habe sich als breit getragener Rahmen für eine hochwertige, nachhaltige und zielgerichtete Entwicklung bewährt. „Im Prozess zur Strategie 2030 beschäftigt sich die Branche mit den brennenden Fragen unserer Zeit und richtet sich an den Herausforderungen der Zukunft neu aus“, so Tittler. 

Evaluierung fördert Stärken und Potenziale zutage

Von der Initiierung der Vorarlberger Tourismusstrategie 2020 vor rund neun Jahren bis zum Vor-Corona-Tourismusjahr 2018/19 ist es gelungen, die Zahl der Nächtigungen um zehn und jene der Ankünfte um 16 Prozent zu steigern. Im saisonalen Vergleich blieb der Winter mit einem Nächtigungsanteil von zuletzt 55 Prozent stets etwas stärker, aber der Sommer holte auf. Gründe für den Erfolg sieht die Evaluierung vor allem in den Stärken aus Sicht der Gäste. Diese verbanden vor allem und teils immer mehr mit einem erholsamen, (gast)freundlichen, naturnahen/ursprünglichen, gemütlichen und sportlich-aktiven Aufenthalt. 

Für WKV-Präsident Hans Peter Metzler ist mit der Corona-Pandemie deutlich geworden, dass der Tourismus neue Impulse braucht. Daher sei es nun das richtige Signal und der richtige Zeitpunkt, sich auf strategischer Ebene Gedanken zu machen. „Es hat sich gezeigt, dass die Werte Regionalität, Nachhaltigkeit und Gastfreundschaft wirken. Darauf gilt es nun aufbauen“, betonte Metzler. Der Strategieprozess soll dazu dienen, die politischen Rahmenbedingungen zu verbessern und gemeinsam mit allen Beteiligten ein optimistisches Zukunftsbild für den Tourismus zu entwickeln, erklärte Spartenobmann Markus Kegele: „Dabei muss es uns gelingen, die Bedeutung unserer Branche für das ganze Land noch sichtbarer zu machen. Es gilt den Tourismus in Vorarlberg neu zu denken.“ 

Detailanalysen und weitere Vorgehensweise

Die Details der umfangreichen Evaluierung werden nun eingehend analysiert und um weitere Erkenntnisse aus Destinationen, Fokusgruppen und Trendaussagen vor und nach Corona ergänzt. Diese Daten bilden die Basis für die Strategiearbeit, die in Workshops zu neun strategischen Handlungsfeldern sowie einem Visionstag erfolgt. Zudem sind weitere Abstimmungen und Feedbackrunden mit wesentlichen Stakeholdergruppen und Expert:innen geplant. Voraussichtlich zu Ende 2021 soll die Tourismusstrategie 2030 vorgestellt werden.

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