Strom Blackout Vorarlberg
© Mauche Daniel

Strom Blackout: Vorbereitet sein ist alles

Vorarlberg rüstet sich für diesen „worst case“ – Berater attestiert Land gute Vorbereitung – illwerke vkw stellt „Insellösung“ in Aussicht - KSÖ- und WKV-Präsident Wilfried Hopfner plädiert an die Eigenverantwortung aller.

Ein Blackout – ein plötzlicher, überregionaler und länger andauernder Strom- und Infrastrukturausfall – ist kein gewöhnlicher Stromausfall. Bei diesem Szenario ist ein zeitgleicher Ausfall der Stromversorgung in weiten Teilen Europas zu erwarten. Dieser passiert innerhalb weniger Sekunden und ohne jegliche Vorwarnung. Die vollständige Wiederherstellung der Stromversorgung kann viele Stunden, wenn nicht sogar Tage dauern.

In Österreich steigt der Stromverbrauch durch die Nutzung in den privaten Haushalten, dem Bedarf der Wirtschaft und durch innovative Anwendungen wie die E-Mobilität stetig. Die sichere Versorgung mit Strom ist als entscheidender Faktor für den Wirtschaftsstandort Vorarlberg von größter Bedeutung.

Das war Thema der Veranstaltung „Strom Blackout Vorarlberg – Was heißt das für mein Unternehmen?“ Experten und Entscheidungsträger berichteten und diskutierten über die aktuelle Lage in Vorarlberg und was zu tun ist, falls es zu einem echten Strom Blackout kommen würde. Das KSÖ (Kompetenzzentrum Sicheres Österreich) lud in Kooperation mit der Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und dem Land Vorarlberg zu diesem Informationsabend mit über 500 Interessierten in die Messe Dornbirn. 

„In vergangener Zeit haben wir gesehen, wie schnell die Stromversorgung zusammenbrechen kann. Auch im europäischen Strom-Verbundnetz sind wir am 8. Jänner 2021 nur knapp an einem flächendeckenden Stromausfall vorbeigeschrammt. Diese Ereignisse unterstreichen, dass dieses Thema zunehmend brisanter wird“, erklärt WKV-Präsident und KSÖ-Vorarlberg-Präsident Wilfried Hopfner, der zur Blackout-Veranstaltung geladen hatte. In Vorarlberg beschäftigt man sich intensiv mit einem möglichen Blackout-Szenario. Es gehe darum, Schwachstellen zu finden und Sicherheitslücken zu schließen. Christof Germann, Vorstandsmitglied illwerke vkw, erklärte in seinem Impulsvortrag die aktuellen Herausforderungen für die Frequenzstabilität in Vorarlberg. „Wir haben bei einem Strom Blackout innerhalb von etwa zwölf Stunden die Möglichkeit eine Insellösung herzustellen, sprich eine Abkoppelung vom Rest Europas vorzunehmen.“

Rund eine Milliarde Euro am Tag ginge verloren, wenn in Österreich die Lichter ausgehen. Vier bis fünf Prozent des Verlustes betreffe Vorarlberg.

Laut Anton Gögele, Berater des Landes von der Securplan GmbH, gehe man in den Vorbereitungen von einem dreitägigen Blackout aus und von anschließend vier Tagen mit Problemen in der Versorgung aller Art. Allerdings sei Vorarlberg so gut wie kaum eine andere Region auf eine solche Situation vorbereitet. Entsprechendes Informationsmaterial für die Unternehmen im Krisenfall sei in Ausarbeitung.

Wie gut man als Unternehmen vorbereitet sein kann, unterstrich Robert Wagenleitner von der Raiffeisenbank International, der in seinem Praxisvortrag konkrete Vorkehrungen in seinem Unternehmen präsentierte. 

Wirtschaftslandesrat Marco Tittler sagt auf die Bedeutung für die Wirtschaft angesprochen: „Eine sichere Stromversorgung ist für die heimische Wirtschaft von hoher Bedeutung. Die Sensibilität für dieses Thema hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, gleichzeitig wurden entsprechende Maßnahmen, wie z.B. die Neuaufstellung der Netzreserve, umgesetzt. Um größtmögliche Sicherheit zu bieten, braucht es entsprechende Kapazitäten und Speichermöglichkeiten. Vorarlberg kommt mit den Pumpspeicherkraftwerken als ‚grüne Batterie‘ eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Netze zu.“

„Beim Blackout ist nicht die Frage, ob er eintritt, sondern wann er einritt. Gleichzeitig haben wir in Vorarlberg gute Voraussetzungen damit umzugehen. Wir haben einerseits einen eigenen Stromversorger, der in der Lage ist, unser Stromnetz schnell und selbstständig wieder hochzufahren. Andererseits bereiten wir uns seit Monaten mit allen Systempartnern mit einem Blackout-Plan breit auf diese Situation vor“, betont Sicherheitslandesrat Christian Gantner

Gerade die Sicherheitslage war zentrales Diskussionsthema der Veranstaltung. Je länger ein Blackout dauert, desto prekärer die Situation. Landespolizeidirektor Hans Peter Ludescher und Oberst Ralf Bail vom Bundesherr skizzierten in ihren Ausführungen, welche sicherheitstechnischen Maßnahmen von Seiten der Polizei und des Bundesheeres gesetzt werden müssten. Neben dem Schutz kritischer Infrastruktur sei dies in erster Linie auch der Transport notwendiger Güter für die Bevölkerung.

Die Information durch Behörden werde dann vorwiegend über das Radio erfolgen, da Radiostationen auch bei einem Stromausfall über mehrere Tage lang senden können. Zusätzlich müssten sich lokale Informationspunkte und Anlaufstellen bilden, wo es auch zu einem Informationsaustausch kommen wird. Bei einem großflächigen Ausfall der Telekommunikation werde eine lokale Selbstorganisation erforderlich. 

KSÖ Vorarlberg-Präsident Hopfner verwies in seinem Schlussplädoyer auf die Eigenverantwortung aller. „Für uns alle ist es selbstverständlich, dass wir gesund sein wollen. Es ist gut zu wissen, dass es Menschen und Institutionen gibt, die mich dabei unterstützen. Das passt auch zum Thema Blackout. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, bei allen Schutzmechanismen selbst Verantwortung zu zeigen. Daher ist es so entscheidend, dass wir uns als Unternehmen mit diesem Thema auseinandersetzen, weil das über die Mitarbeitenden bis in die Haushalte wirkt.“

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