Liquidität: Vorarlberger Wirtschaft
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Liquidität für die Vorarlberger Wirtschaft

Die COVID-19 Situation hat für viele Vorarlberger Unternehmen Auswirkungen in Sachen Liquidität – aus Sicht der regionalen Banken besteht dringender Handlungsbedarf. 

Die COVID-19 Situation hat auch für viele Vorarlberger Unternehmen massive Auswirkungen. Liquidität ist für die Wirtschaft das zentrale Thema. Auf Grund der zu erwartenden wirtschaftlichen Langzeitfolgen der Pandemie besteht aus Sicht der regionalen Banken dringender Handlungsbedarf. Die regulatorischen Rahmenbedingungen erschweren notwendige Hilfeleistung. 

„Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise sind noch nicht ausgestanden und lassen sich auch noch nicht konkret abschätzen. Mit flexiblen, möglichst raschen Unterstützungen ist unseren Betrieben jetzt am meisten geholfen. Unser gemeinsames Ziel muss sein, Liquidität in den Betrieben zu erhalten, sodass sie, wo es möglich ist, weiterarbeiten und Beschäftigung erhalten können“, sagt WKV-Präsident Hans Peter Metzler und betont: „Den Vorarlberger Regionalbanken kommt dabei eine unverzichtbare Rolle zu“. 

Blutkreislauf der Wirtschaft

Für den WKV-Präsidenten sind die in der Region verankerten Banken der Blutkreislauf unserer Wirtschaft, ohne Banken funktioniere gar nichts. Sie verstehen das Banking als Unterstützung der Realwirtschaft und nicht einer Finanz- oder gar Spekulationswirtschaft. Metzler: „Regionalbanken sind in dieser extrem herausfordernden Zeit Teil der Lösung und helfen, wo sie KÖNNEN, wenn sie DÜRFEN. ,KÖNNEN‘ im Sinne der gegebenen wirtschaftlichen Stärke und der vorhandenen fachlichen Expertise und ,DÜRFEN‘ im Sinne der aufsichtsrechtlich machbaren regulatorischen Rahmenbedingungen.“ Den Banken müsse höchstmögliche Flexibilität eingeräumt werden, um die Rolle als starker und verlässlicher Partner der Unternehmen weiterhin zu erfüllen, denn eines sei klar, „wer die regionalen Banken schwächt, schwächt unsere regionale Wirtschaft.“

Helfen KÖNNEN, DÜRFEN lassen

„Wir Regionalbanken sind diesmal nicht direkt betroffen, aber natürlich Teil der Wirtschaft
und sehen uns als ,hilfsbereiten‘ Partner. Allerding agieren wir in einem relativ engen regulatorischen Korsett, in welchem die Aufsicht auch wenig Spielräume gewährt, weil sie unter
anderem die Finanzmarktstabilität im Auge hat“, ergänzt Vizepräsident KommR Wilfried
Hopfner.  Ein paar Zahlen aus den Bankbilanzen zeichnen - nach den wirtschaftlichen Erfolgen der letzten Jahre - auch weiterhin ein „positives Bild“: Hohe Liquiditätsbestände, in großem Ausmass nicht ausgenutzte Kreditrahmen und noch nicht in Anspruch genommene Fördergelder sowie für die Privaten Haushalte das Ansteigen der Sparquote von acht auf 14 Prozent innert eines Jahres und überschaubare Kontoüberziehungen.

Notwendige aufsichtsrechtliche Lockerungen nutzen allen

Seit Ausbruch der Krise hätten sich die Vorarlberger Banken u.a. durch Mikrokredite und der Umsetzung von Förder- und Garantieprogrammen als verlässliche Partner erwiesen. Liquiditätsversorgung sowie Risikoübernahme und Finanzierung der Wirtschaft (Investitionen und Working Capital) sind dabei zentrale Aufgaben. „Gerade jetzt ist es wichtig, das Ohr beim Kunden zu haben und zu helfen, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen“, sagt Hopfner. Das absehbare Wachstum – „wir kommen aus einer Zeit großen Verzichts“ - werde dazu führen, dass die Sparquote wieder deutlich zurückgehe und auch die Investitionsfreude wieder steige. „Dann gilt es, seriöse Risikoeinschätzungen vorzunehmen und die Wachstumsphase mit Kreditgewährungen zu begleiten. Dabei müssen wir der Aufsicht aber aufzeigen, wo wir helfen sollten, dass diese Hilfe auch gerechtfertigt ist und welche regulatorischen Rahmenbedingungen wir dafür brauchen“, sagt der WKV-Vizepräsident. 

Punktgenauigkeit der Fördermaßnahmen erhöhen

Für Hopfner ist es den Verantwortlichen in Land und Bund in großem Ausmaß gelungen, Maßnahmen dort zu platzieren, wo sie am dringendsten notwendig waren. Je länger die Krise dauert, umso wichtiger werde es aber sein, dass die Punktgenauigkeit sichergestellt wird. 

Finanztechnisches Umfeld – Instrumentarien und Regularien

„Um wirkungsvoll Unternehmen unterstützen zu können, braucht es prioritär zu behandelnde Maßnahmen“, betont KommR Werner Böhler, Obmann der Vorarlberger Sparte Bank und Versicherung: 

• Laufzeitverlängerung aller Covid19-Garantieprodukte

„Die Laufzeiten aller Covid19-Garantieprodukte sind viel zu kurz. Deshalb sollten Tilgungsbeginne später erfolgen und Laufzeiten deutlich verlängert werden“, sagt Böhler. Dies gelte im Besonderen für die Tourismussparte auf Grund ihres speziellen Finanzierungsbedarfes. Es sei erfreulich, dass das Bundesministerium bereits an einer Laufzeitverlängerung arbeite und damit die Situation der Unternehmen zu entschärfen helfe. Die österreichischen Banken leisten durch eine flexible Gestaltung des Starts der Rückzahlung ihren diesbezüglichen Beitrag. 

• Aufrechterhaltung der Liquidität für Unternehmungen

Die Liquidität und in Folge das Eigenkapital der Unternehmen müsse unbedingt gesichert werden. Dazu brauche es eine Tilgungsstruktur zur Abtragung bereits gewährter Steuer- und Abgabenstundungen ergänzend neben der Möglichkeit der Ratenzahlung zur Liquiditätssicherung und Verhinderung von Investitionsstopps. Spartenobmann Böhler: „Gerade bei Ausbruch der Krise war die österreichische, aber auch europäische Aufsicht um größtmögliche Flexibilität bei Anwendung des Aufsichtsrechts bei der Unterstützung der österreichischen Unternehmen bemüht. Durch gemeinsames intensives Bemühen konnte eine neuerliche Ausdehnung des Forbearance-Schutzes bis Ende März 2021 erreicht werden. Neue Meldeerfordernisse und Bürokratie müssen aber unbedingt vermieden werden, um Banken Raum und Luft für ihre Hauptaufgabe – die Übernahme von Risiko und Finanzierung der Wirtschaft – zu lassen.“

Gerade in der Pandemie wurde die Wichtigkeit und Bedeutung von Engagements von Banken in Betrieben deutlich ersichtlich. Im Zusammenwirken mit dem Bundesministerium für Finanzen setzen sich die österreichischen Banken entgegen den Intensionen von Basel IV für die Beibehaltung des Risikogewichts von Unternehmensbeteiligungen ein. Unterstützung bekommen die Banken dabei von der österreichischen Bundesregierung, die in diesem Punkt auf europäischer Ebene bereits vorstellig wurde. 

• Aussetzen der Insolvenzantragspflicht

Dies sollte möglich sein für Unternehmungen mit funktionierendem Geschäftsmodell, die etwa coronabedingt eine „einmalige“ Bilanzbildverschlechterung vorweisen. „Hier könnten sich die aktuellen Bestimmungen des URG (Unternehmensreorganisationsgesetzes) als Hindernis erweisen. Eine temporäre Lockerung dieser in Normalzeiten sinnvollen Kriterien wäre hilfreich.“ Durch die krisenbedingt zu erwartenden negativen Bilanzen werden viele Unternehmen an die im Gesetz festgelegten Grenzen stoßen. 

• Schaffung von Rahmenbedingungen für funktionierenden Risiko-/Eigenkapitalmarkt

Für Investoren braucht es steuerliche Anreize und unbürokratische Zugänge zu den Klein- und Mittelbetrieben (KMU). Werner Böhler kann sich auch einen regionalen Fonds unter Beteiligung des Landes als Wirtschaftsmotor für Hotellerie, Tourismusbetriebe sowie KMU vorstellen.

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