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Klimaziele: Globale Zusammenarbeit nötig

Rat, Parlament und Kommission einigten sich darauf, die Emissionen der EU bis 2030 um 55 Prozent zu reduzieren. Die Wirtschaftskammer plädiert für eine Allianz der klimafreundlichen Staaten und eine globale Zusammenarbeit.

+Die Mitgliedstaaten setzten sich dabei gegenüber dem EU-Parlament, das zuvor minus 60 Prozent gefordert hatte, durch. Auch wesentliche Teile des EU-Parlaments waren jetzt den überzeugenden Argumenten für das Ziel von minus 55 Prozent gefolgt. „Mit diesem ohnehin sehr hochgesteckten Ziel, das deutlich über dem bisher geltenden 40-Prozent-Ziel liegt, baut die EU ihre Vorreiter-position in der weltweiten Klimapolitik aus. Kein anderer Wirtschaftsraum hat eine ähnlich ehrgeizige Zielsetzung verbindlich festgeschrieben“, sagt Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik in der Wirtschaftskammer Österreich. Dem WKÖ-Experten zufolge müssen nun auch rasch die geeigneten Rahmenbedingungen geschaffen werden, um diese Vorgabe auch umsetzen zu können. „Wir haben jetzt ein Ziel vor Augen, von dem die Entscheidungsträger nicht wissen, wie es erreicht werden kann. Die Wirtschaft hat bereits Pläne und Programme gefordert, die den Weg zum Ziel weisen könnten, ist damit aber noch nicht gehört worden“, so Schwarzer. Die Wirtschaftsmacht EU sollte ihre wirtschaftliche Stärke nicht aufs Spiel setzen, die sie auch als Motor des Klimaschutzes benötigt. „Nach der Einigung auf das EU-Klimaziel von minus 55 Prozent ist jetzt Handeln angesagt, gerade im Bereich Verkehr. Denn wir müssen so realistisch sein und sehen: Wir können die sehr ambitionierten Ziele nur erreichen, wenn wir ein ganzes Bündel von Maßnahmen in Gang setzen und das möglichst rasch“,  betont auch Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich. In jedem einzelnen Handlungsfeld sind enorme Anstrengungen nötig, wie Klacska für den Bereich Energie vorrechnet: „Will man zum Beispiel den gesamten Verkehrssektor elektrifizieren, dann bedeutet das einen zusätzlichen Strombedarf von ca. 71.000 GWh. Das entspricht 65 Wasserkraftwerken in der Größe von Freudenau oder 11.000 zusätzlichen Windkraftanlagen.“ Aus diesem Grund seien raschere Verfahren, um für die Energiewende wichtige Projekte, wie etwa die 380kV-Leitung in Salzburg, umsetzen zu können, unabdingbar.

Rasche Genehmigung von Infrastrukturprojekten

Auch Schwarzer sieht in rascheren Genehmigungen für Infrastrukturprojekte eine wesentliche Maßnahme. Denn ohne diese werden erneuerbare Energien nicht an die Stelle der fossilen treten können, da bei Verfahrensdauern von bis zu zehn Jahren alle Projekte, die jetzt starten, für das 2030-Ziel zu spät kommen. So treffe etwa der Ausbau der Wasserkraft auf immer größere ökologische Anforderungen und Ansprüche. „Auch zwischen Klimaschutz und Naturschutz gibt es einen Spagat, den es zu schaffen gilt. Aufgrund mancher Vorgaben verbauen wir uns selbst die Zukunft“, erklärt WKV-Präsident Hans Peter Metzler.

Die gesteckten EU-weiten Ziele werden auch Auswirkungen auf die Energieautonomie Vorarlberg+ 2030 haben. Weitere Einsparungspotenziale in der Industrie, nach Jahren intensiver und engagierter Bemühungen, werden nicht leicht zu erreichen sein. Massiv von Einsparungen betroffen sind der Verkehrsbereich und Gebäudesektor. Bei Neubauten sei jedoch der Plafonds beinahe erreicht, wenn, dann könne es nur mehr über die Sanierung gehen. EU-weit liegt die Sanierungsquote bei mageren 0,2 Prozent. Österreich setzt sich seit Jahren drei Prozent zum Ziel.

Für Udo Nachbauer, Vorstand Technik der Rondo Ganahl Aktiengesellschaft, sind die neuen EU-Klimaziele „ein sehr mutiger Schritt der EU, welcher von uns allen einige Opfer abverlangen wird. Es wird spannend zu beobachten sein, wie das auch von der Bevölkerung mitgetragen werden wird, wenn der eigene Wohlstand sowohl monetär als auch im täglichen Leben (Mobilität, Energieverbrauch, Wärmeerzeugung,….) ein wenig oder vielleicht auch maßgeblich eingeschränkt wird“. Energieintensive Unternehmen, wie etwa die Rondo Ganahl AG  als Papier erzeugendes Industrieunternehmen, hätten ihren Fokus seit jeher auf einem geringstmöglichen Einsatz von Energie, da die Energiekosten einen hohen Anteil der Produktionskosten darstellen. Nachbaur: „Daher haben wir seit Jahren schon Projekte forciert, um unseren spezifischen Energieeinsatz zu verringern. Da dieses Potenzial der Prozessoptimierung sehr weit ausgereizt ist, gilt es nun nach Alternativvarianten zu suchen, um die physikalisch notwendige Wärmeenergie auf umweltverträgliche und CO2-neutrale Weise zu erzeugen. Solche Projekte benötigen allerdings recht lange Vorlauf-, Genehmigungs- bzw. Umsetzzeiten."

Potenziale sieht Nachbaur im Einsatz von Photovoltaik: „Wir sind gerade dabei ein PV-Projekt umzusetzen mit einer installierten Leistung von 1 MWp. Dieses Projekt sollte noch im 1. Halbjahr 2021 umgesetzt werden und der erzeugte Strom wird zu 100 Prozent im Unternehmen verbraucht. Zusätzlich haben wir ein Programm gestartet, um bis 2025 alle noch bestehenden Dieselstapler auf Elektroantrieb umzustellen."

Ambitionierte Ziele im Land

Was die neuen Vorgaben für die illwerke vkw bedeuten, erklärt Dipl.-Ing. Helmut Mennel, Mitglied des Vorstandes der illwerke vkw, so: „Da die illwerke vkw ausschließlich Energie aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft, Photovoltaik oder Biomasse erzeugt, sehen wir die Pläne der EU positiv. Auch unsere Angebote in den Bereichen Energieeffizienz und Elektromobilität sind wichtige Bausteine für aktiven Klimaschutz. Natürlich sind noch große Anstrengungen notwendig – etwa bei der Raumwärme und im Bereich Mobilität. Mit unserer Strategie unterstützen wir das Land Vorarlberg aber dabei, die ambitionierten Ziele bis 2030 zu erreichen.“

Florian Ölz, Geschäftsführer und Miteigentümer Rudolf Ölz Meisterbäcker GmbH & Co KG, sieht im gemeinsamen Vorgehen die Chance, die Klimakrise zu meistern. Verbindliche Rahmenbedingungen seien eine wichtige Voraussetzung.  Auf sein Unternehmen bezogen meint er: „Ölz der Meisterbäcker war beim klimaaktiv Pakt2020 erfolgreicher Paktpartner. Seit 2005 konnten wir den Energiebedarf bereits um rund 1/3 pro kg Backware verringern. Auch bei der Fortsetzung des klimaaktiv Pakts haben wir uns freiwillig verpflichtet, 2021 ein detailliertes Klimaschutzkonzept zu erarbeiten und bis zum Jahr 2030 umzusetzen. Damit wollen wir gemeinsam mit 10 weiteren Partnern wieder einen außerordentlichen Beitrag für die Klimaziele der EU und Österreichs leisten.“ 

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