Internationale Schule für Vorarlberg
© Wirtschaftskammer Vorarlberg

Internationale Schule für Vorarlberg

Der Wirtschaftsstandort Vorarlberg ist international sehr stark vernetzt. Wirtschaft, Menschen und Region leben von und mit dieser Vernetzung. Daher ist es an der Zeit, diesen internationalen Anschluss auch mit entsprechenden Maßnahmen im heimischen Bildungssystem weiter zu stärken. Eine von der Wirtschaftskammer Vorarlberg und der Industriellenvereinigung Vorarlberg beauftragte Studie des ibw – Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft – zeigt: In Vorarlberg gibt es konkreten Bedarf an einer Internationalen Schule. Die Akzeptanz sowohl von Unternehmen als auch Eltern ist da und es stehen auch mehrere Etablierungsoptionen zur Verfügung.

Hier geht es zur Studie

In Vorarlberg und dem Burgenland ist die Möglichkeit eines internationalen Schulbesuchs bis dato noch nicht gegeben. Dieses fehlende Angebot hat sich in der Vergangenheit bei der Rekrutierung internationaler Fachkräfte für einige Unternehmen in Vorarlberg als nachteilig erwiesen. Daher wurde im Rahmen der ibw-Studie untersucht, wie Unternehmen in Vorarlberg den Bedarf und die Akzeptanz für ein international ausgerichtetes Schulangebot einschätzen. Dabei wurde auch der Frage nachgegangen, wie ein derartiges Schulangebot in Vorarlberg ausgestaltet sein sollte, das insbesondere für die folgenden Adressatenkreise von Interesse sein könnte: Kinder internationaler (Top-)Fachkräfte, die in Vorarlberger Unternehmen tätig sind oder dafür zu rekrutieren wären; aus Vorarlberg stammende Kinder, deren Eltern internationale Schulen als attraktives Bildungsangebot erachten; Kinder von Vorarlberger (Top-)Fachkräften mit Interesse an längerfristigen Auslandseinsätzen.

Bilinguales Stückwerk
„Aus der Studie geht hervor, dass sich die Unternehmen deutlich für ein internationales Angebot in Vorarlberg aussprechen und prognostizieren, dass der Bedarf zukünftig auch steigen wird. Es zeigt sich, dass nicht nur Kinder internationaler Fachkräfte, sondern auch Kinder von Vorarlberger Eltern als Zielgruppe eines derartigen Angebots relevant erscheinen“, erklärt WKV-Direktor Christoph Jenny. Der Wirtschaftsstandort Vorarlberg ist auch international sehr stark vernetzt. Nun – mit Vorliegen eines deutlichen Bedarfs – gehe es darum, schnellstmöglich im Bildungsangebot einen internationalen Anschluss zu schaffen. „Momentan haben wir ein bilinguales Stückwerk in Vorarlberg. In einzelnen Schulen gibt es zwar Angebote, in denen manche Fächer bilingual unterrichtet werden, aber das ist nicht das, was unter einer internationalen Schule zu verstehen ist“, stellt Jenny klar.

Vorarlberg brauche eine internationale Schule im engeren Sinn. Das heißt: Englisch hat eine dominante Rolle im Unterricht und die Lehrpläne orientieren sich nicht nur an nationalen Standards, sondern auch an internationalen. Zudem soll es einen Bildungsabschluss geben, der auch einen internationalen Anschluss ermöglicht. „Das ist unsere Zielsetzung, und die ist auch im Jahr 2021 nicht zu früh angesetzt. Wir sind neben dem Burgenland das einzige Bundesland, das noch kein solches Angebot hat. Die Studie hat die große Akzeptanz bestätigt und jetzt geht es darum, zu handeln und die Schule zu entwickeln“, sagt Jenny.

Über den Tellerrand – mit bewährten Konzepten
Die nächsten Schritte stellen Gespräche mit dem Land Vorarlberg und der Bildungsdirektion dar. „Wir werden auf die Ergebnisse der Studie zurückgreifen, Experten mit ins Boot holen und uns mit internationalen Schulen austauschen, die in Österreich bereits erfolgreich sind. Das wird unser bewährtes Konzept werden, der Blick über den Tellerrand hinaus“, erklärt Jenny. Ziel ist es, eine Schule zu haben, die einerseits dem internationalen Anspruch gerecht wird und andererseits aber ein modernes pädagogisches Konzept aufweist. „Dabei können wir auf wertvolle Erfahrungen zurückgreifen, die wir in der Vergangenheit bei der Betreuung von Mittelschulen gesammelt haben. Es ist also ein wichtiger Aspekt, modernste Pädagogik miteinzubringen“, sagt Jenny.

Exportland Vorarlberg braucht Internationale Fachkräfte
Die Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg ist vom Nutzen einer internationalen Schule im Land überzeugt. „Wir sind eine hochgradig erfolgreiche Exportregion – weit über die Hälfte der in Vorarlberg produzierten Waren werden ins Ausland geliefert. Damit geht selbstverständlich eine starke internationale Vernetzung unserer Betriebe einher“, sagt IV-Präsident Martin Ohneberg. „Eine internationale Schule in Vorarlberg ist eine längst überfällige Investition in die Zukunftsfähigkeit unseres Standorts. Wir werden künftig, um wettbewerbsfähig zu bleiben, stärker vom Zuzug ausländischer Fachkräfte abhängig sein, als dies heute der Fall ist. Dafür ist ein international ausgerichtetes Bildungsangebot für ankommende Arbeitskräfte eine wichtige Grundvoraussetzung“, so Ohneberg weiter. „Gut ausgebildete Fachkräfte sind heutzutage oftmals international unterwegs. Damit Vorarlberg für Fachkräfte und ihre Familien aus dem Ausland als Arbeitsstandort überhaupt in Frage kommt, braucht es deshalb nicht nur bilinguale Angebote an Schulen, sondern eine echte internationale Schule mit international anerkannten Abschlüssen“, so Ohneberg. 

Die Studie zeigt, dass neben den Unternehmen auch die befragten Eltern zum überwiegenden Teil von der Sinnhaftigkeit einer internationalen Schule überzeugt sind. „Es gibt in Vorarlberg viele Betriebe, die international tätig sind und Standorte auf der ganzen Welt haben. Auch Eltern aus Vorarlberg sehen eine internationale Schule als Chance, um eine internationale Karriere in den heimischen Betrieben auch mit der Familie zu forcieren“, sagt Ohneberg. „Der Bedarf ist klar gegeben. Jetzt muss intensiv an den nächsten Schritten in Richtung einer Realisierung zusammengearbeitet werden, um unseren Standort in Bezug auf Fachkräfte für die nächsten Jahre internationaler aufstellen zu können“, so IV-Präsident Martin Ohneberg abschließend.

Durchgängiges internationales Schulangebot sinnvoll
Auch wenn es keine eindeutige beziehungsweise allgemeingültige Definition für den Begriff „inter- nationale Schule“ gibt, können darunter Schulformen verstanden werden, die folgende Charakteristika aufweisen: Nichtdeutsche Arbeits- bzw. Unterrichtssprache; einen internationalen Lehrplan bzw. ein ausländisches Curriculum sowie einen international anerkannten Bildungsabschluss. „Internationale Schulen“ im engeren Sinn sind jene, für die alle drei Kriterien zutreffen. Ihre Anzahl ist in Österreich relativ konstant, wobei in den Jahren 2020 und 2021 zwei neue Schulen im niederösterreichischen Krumbach und in Salzburg gegründet wurden. Das österreichweite Angebot an „internationalen Schulen“ im weiteren Sinn – also Schulen, die nicht alle drei Kriterien erfüllen – verändert sich im Zeitverlauf wesentlich stärker und ist auch hinsichtlich der Ausgestaltung breiter gestreut. Es handelt sich dabei zumeist um Privatschulen mit einem ausländischen Lehrplan und/oder bilingualem bzw. nicht deutschsprachigem Unterricht, die aber keinen international anerkannten Bildungsabschluss anbieten.

Akzeptanz, Bedarf und Etablierungsoptionen
„Es zeigt sich, dass sich die internationale Dimension des Vorarlberger Bildungsangebots auf Formen des bilingualen Unterrichts beschränkt – weder gibt es ein durchgängiges Angebot an englischsprachigem Unterricht noch die Möglichkeit, einen internationalen Abschluss zu erwerben“, sagt ibw-Geschäftsführer Thomas Mayr. Befürwortet wird in der Studie grundsätzlich die Etablierung eines durchgängigen Schulangebots ab der Elementarstufe, das über die Primarstufe bis hin zur Sekundarstufe 2 fortgesetzt wird. Priorität liegt hier aus Sicht der Unternehmen allerdings auf einer Schaffung einer Internationalen Schule für die Sekundarstufen 1 und 2. 

„Als Standort für eine Internationale Schule wird der Ballungsraum Rheintal klar favorisiert. Bei der Ausgestaltung eines schulischen Angebots halten die befragten Unternehmen vor allem international anerkannte bzw. anrechenbare Abschlüsse für besonders wichtig. Im Rahmen der Elternbefragung konnte auch festgestellt werden, dass grundsätzliches Interesse besteht. Laut Einschätzung der befragten Unternehmensvertreter:innen könnten die Kinder von rund 600 Beschäftigten durchaus Interesse am Besuch einer Internationalen Schule haben“, so Mayr.

Etablierungsoptionen
„Zur Abschätzung von Bedarf und Akzeptanz wurden drei Arten von Befragungen durchgeführt: qualitative Interviews mit acht Vorarlberger Leitbetrieben, um einen vertieften Einblick in die Sichtweisen der Leitbetriebe zu erhalten; quantitative Online-Befragungen von 147 Vorarlberger Unternehmen; und – im Rahmen dieser Unternehmensbefragung – Online-Befragungen von 32 Vorarlberger Fachkräften und Eltern über ein potenzielles internationales Angebot für ihre Kinder“, erklärt Mayr. Auf Grundlage der Befragungsergebnisse lassen sich folgende Etablierungsoptionen ableiten:

  1. Erstellen einer Roadmap für ein ganzheitliches internationales Schulangebot: In der ersten Phase die Etablierung eines Bildungsangebots auf der Sekundarstufe an einem Schulstandort (ggf. beginnend mit der Sekundarstufe 2, danach mit Stufe 1), anschließend langfristiges Nachziehen von Primarstufe und Elementarbereich
  2. Andocken an einem etablierten Standort mit bestehendem bilingualem Angebot, in einem ersten Schritt als eigener/zusätzlicher Klassenzug
  3. Das Ballungsgebiet Rheintal eignet sich sehr gut als Schulstandort, da es öffentlich gut erreichbar ist – darauf fällt auch die umfangreichste Nachfrage sowohl seitens der Unternehmen als auch der Vorarlberger Eltern
  4. Entscheidung über „pädagogisches“ Basiskonzept und grundsätzliche Ausrichtung „der Internationalen Schule“: Aus der sich anhand der Befragungen gezeigten Bedarfs-/ Interessenlage/n und vor dem Hintergrund einer schwer abzuschätzenden nachhaltigen Nachfrage sollten möglichst alle Zielgruppen angesprochen werden. Erreicht werden kann dies durch die Ausgestaltung eines Angebots, das ...
  • auf einem adaptierten österreichischen Lehrplan basiert,
  • die österreichische Matura anbietet,
  • otimalerweise auch einen internationalen Abschluss (IB – International Baccalaureate) anbietet,
  • das bilinguale Angebot (inkl. Native Speaker) in Englisch im Sinne einer durchgängigen (d.h. alle Unterrichtsfächer umfassenden) Unterrichtssprache erweitert.

„Ambitioniert, aber zuversichtlich“
Die Rekrutierung insbesondere auch von internationalen Fachkräften ist und bleibt zentrales Thema der Unternehmen in Vorarlberg. Deswegen ist ein international ausgerichtetes Bildungsangebot essenziell für die Fachkräfterekrutierung sowie für die Optimierung innerbetrieblicher fremdsprachlicher und interkultureller Kompetenzen – und damit auch essenziell für eine deutliche Stärkung des Wirtschaftsstandorts Vorarlberg. „Als Zielgruppen wurden klar die Kinder von ausländischen Fachkräften definiert. Wir gehen davon aus, dass der Fachkräftebedarf in Österreich und in Vorarlberg noch größer wird und da werden wir auch für internationale Top-Fachkräfte attraktiver. Wie selbstverständlich auch für Vorarlberger Fachkräfte, die unter Umständen für Auslandseinsätze für die Vorarlberger Unternehmen wichtig und relevant sein können. Die dritte Gruppe sind zudem Eltern, die ihren Kindern bereits früh internationale Karrieren offenhalten und fördern möchten“, so Jenny.

Mit der Expertise und Erfahrung auf Erfolgskurs
Mit Expertengruppen sollen die unterschiedlichsten Aspekte besprochen werden, Fragen zu Abschlussnetzwerken oder dazu, wie es schulrechtlich aussieht. „Hier sind wir bereits dabei, die Fühler auszustrecken. Es gibt einen Experten in der Bildungsdirektion im Tirol sowie eine Expertin in Kärnten, die bereits Internationale Schulen begleitet hat. Wir werden auf die Expertise des ibw zurückgreifen und in Sachen pädagogische Konzepte auf den renommierten Experten Wolfgang Vogelsänger. Mit einer so gut aufgestellten Gruppe kommen wir schnell und erfolgreich auf den Weg der Umsetzung. Insofern blicke ich mit Zuversicht auf unser ambitioniertes Ziel, dass wir diese Internationale Schule in den nächsten zwei Jahren auf Schiene bringen.

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