Industrie stabiler Faktor
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Industrie weiter stabiler Faktor in der Krise

„Die Konjunktur in der Vorarlberger Industrie ist nach dem überwiegend guten 3. Quartal auch aktuell weiter deutlich positiv. Damit dies so bleibt brauchen die Betriebe allerdings mehr Planungssicherheit und Zukunftsperspektiven“, fasst Industrie-Spartenobmann Markus Comploj die Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2020 zusammen. Testen, Impfen und die Digitalisierung sind die aktuell zentralen Themen und schrittweise Lockerungen eine Hauptforderung.

An der quartalsmäßigen Umfrage der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Vorarlberg und der Industriellenvereinigung haben sich 44 Unternehmen mit insgesamt 25.751 Beschäftigten beteiligt.

Der „Geschäftsklima-Index“ der Vorarlberger Industrie – der Mittelwert aus der aktuellen Geschäftslage und der Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten - hat sich gegenüber dem 3. Quartal 2020 nochmals leicht verbessert. Er stieg von +19,50 auf +24,60 Prozent-Punkte und erreicht damit beinahe das Vorkrisen-Niveau. „Um diesen Weg erfolgreich fortsetzen zu können, wird mehr Planungssicherheit zu einer zentralen Frage und Forderung für die kommenden Monate. Das muss einhergehen mit dem konsequenten Umsetzen der Test- und Impfstrategie“, betont Ing. Markus Comploj, MBA.

Mehrheitlich positiv ist weiterhin die aktuelle Geschäftslage. 51 Prozent der befragte Unternehmen bezeichnen ihre derzeitige Geschäftslage als gut, 21 Prozent sprechen von einer schlechten Situation. Ähnliches gilt für den derzeitigen Auftragsbestand (für 59 Prozent ist er gut) und die Auslandsaufträge der Industrieunternehmen. 54 Prozent beurteilen die aktuellen Stände ihrer Auslandsaufträge als gut, 28 Prozent als gleichbleibend und 18 Prozent als schlecht.

Erhöhung des Mitarbeiterstandes

Erfreulich positiv sind die Aussichten in Bezug auf den Mitarbeiterstand. Immerhin 42 Prozent der Befragten Industrie-Unternehmen wollen ihren Mitarbeiterstand in den kommenden drei Monaten erhöhen, 53 Prozent diesen zumindest halten. Die aktuelle Ertragssituation wird als zufriedenstellend beurteilt: 49 Prozent sprechen von einer derzeit guten, 35 Prozent von einer durchschnittlichen und 16 Prozent von einer schlechten Ertragssituation.

Verhalten positiv bleibt auch der Ausblick für das nächste halbe Jahr. Die Geschäftslage in sechs Monaten wird von 21 Prozent als günstiger eingeschätzt, 77 Prozent erwarten eine gleichbleibende und nur zwei Prozent eine schlechtere Situation.

Branchenergebnisse

Metalltechnische Industrie
Die Metalltechnischen Industrie (Maschinen- und Metallindustrie) ist, wie schon vor der Krise, der Hauptträger der Konjunktur in Vorarlberg. Für 61 Prozent ist die Geschäftslage aktuell gut. Besonders die Auslandsaufträge tragen zu einer guten Stimmung bei. 79 Prozent bezeichnen sie derzeit als gut. Druck herrscht aber weiterhin auf die Verkaufspreise. Elf Prozent erwarten eine fallende Preisentwicklung, kein Unternehmen rechnet mit steigenden Preisen. „Die Metalltechnische Industrie bleibt ein Jobgarant. 58 Prozent planen in den nächsten Monaten zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen“, betont Mag. Michael Amann, Geschäftsführer der Sparte Industrie und ergänzt, „besonders wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass das Schnuppern für den Einstieg in einen Lehrberuf auch aktuell möglich und sehr erwünscht ist!“

Lebensmittelindustrie (Nahrungs- und Genussmittelindustrie)

Ähnlich wird die Lage auch in der Lebensmittelindustrie gesehen. 57 Prozent der Betriebe planen eine Erhöhung ihres Mitarbeiterstandes. Bei den Verkaufspreisen rechnen die Unternehmen mit weitgehend gleichbleibenden Entwicklungen. „Das Bild in der Lebensmittelindustrie ist jedoch ein differenziertes, da Teile der Branche als Zulieferer von der derzeitigen Schließung des Tourismus stark mitbetroffen sind und sich daher in absehbarer Zeit vertretbare Lockerungen für ihre Kunden wünschen“, sagt Amann.

Textilindustrie

Unter dem Durchschnitt wird weiter die Lage im Textilbereich gesehen. 30 Prozent bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht, 63 als durchschnittlich und nur sieben Prozent der befragten Unternehmen als gut. „Bedauerlicherweise ist der Ausblick auf den Beschäftigtenstand in drei Monaten bei den Textilern ebenfalls nicht erfreulich. 23 Prozent gehen von einem abnehmenden Mitarbeiterstand aus“, stellt MMag. Mathias Burtscher, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlberg, fest. Auch der Ausblick auf die nächsten sechs Monate ist sehr zurückhaltend. Während knapp drei Viertel der Betriebe von einer gleichbleibenden Geschäftslage ausgehen, erwartet ein Viertel der Betriebe eine negative Entwicklung. Einzig die Verkaufspreise entspannen sich. 61 Prozent der Textilbetriebe rechnen in sechs Monaten mit steigenden Verkaufspreisen.

Elektro-/Elektronikindustrie

Das derzeitige Bild in der Elektro-/Elektronikindustrie ist ein ambivalentes. Während 45 Prozent die aktuelle Geschäftslage als gut bezeichnen, beurteilen sie 52 Prozent als schlecht. Burtscher: „In Summe zeigt sich ein ausgeglichenes Bild, aber die Betriebe sind sehr unterschiedlich betroffen. Beim Beschäftigtenstand zeigt sich aber eine konstante Entwicklung.“ Erfreulicher ist der Ausblick auf das kommende halbe Jahr. 86 Prozent der Betriebe in der Elektro-/Elektronikindustrie schätzen ihre Geschäftslage in sechs Monaten günstiger ein. Das gilt auch für die Ertragslage, die für 67 Prozent der Betriebe besser zu werden scheint“, betont Burtscher.

Ergebnisse der Sonderfragen

Zwei Sonderfragen an die Unternehmen gaben interessante Erkenntnisse, mit welchen Themen sie sich selbst angesichts der Corona-Krise aktuell beschäftigen und welche Aufgabenerledigung sie sich von der Politik wünschen. Für mehr als 40 Prozent der befragten Betriebe sind das verstärke Innovieren und der Aufbau neuer Geschäftsmodelle zentrale Themen, gefolgt von der Umsetzung von New-Work-Modellen (39 Prozent) und der Re-Organisation der betrieblichen Abläufe (32 Prozent). Die Digitalisierung ist dabei ein alles überspannendes Generalthema. Markus Comploj: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt hier auf allen Ebenen Maßnahmen zu setzen. Auch in der Landesverwaltung sollte man mehr Mut haben, bestehende Strukturen und Verfahren auf ihre Zukunftsfähigkeit zu durchleuchten, zu verändern und damit zukunftsfit zu machen. Demgegenüber gehen die Schulen im Bereich Digitalisierung aktuell erfreulich mutig voran!“

Von der Politik erwarten sich die Industriebetriebe Verbesserungen beim quantitativen wie qualitativen Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung (52 Prozent) und noch mehr Anstrengungen im Bereich von Investitionsförderungen (57 Prozent), auch und besonders unter ökologischen/CO2 Gesichtspunkten (41 Prozent). „Unternehmen brauchen mehr verfügbares freies Kapital, um bereits geplante Investitionen, vor allem auch in Zukunftstechnologien durchzuführen, statt sie ins Ungewisse zu verschieben“, betont der Spartenobmann.

Testen, Impfen UND Lockerungen

„Unternehmerische und gesellschaftliche Freiheit im Einklang mit den gesundheitspolitischen Notwendigkeiten gibt es laut Experten ab einer Durchimpfungsrate von etwa 60 Prozent. Es braucht daher Impfanreize und eine konsequente Umsetzung der Impfstrategie des Landes. Bis wir dieses Ziel erreicht haben, sind breitflächige Tests die richtige Strategie. Schnellere Selbsttests für Mitarbeiter können ebenso eine Lösung darstellen“, sagt Spartenobmann Markus Comploj, der sich auch eine stärkere Berücksichtigung von Schlüsselarbeitskräften bei den Impf-Priorisierungen wünscht. „Die Politik muss uns mehr Planbarkeit geben, mit Szenarien und Zielen. Mit dem Erreichen der Ziele müssen Erfolge und auch weitere Lockerungen verknüpft sein. Die rasche Verfügbarkeit des Impfstoffes stellt sich aktuell als der „Game-Changer“ heraus. Sollten sich die derzeitigen Engpässe bei der Versorgung mit ausreichend Impfdosen als längerfristig herausstellen, müssen auch alternative, weltweit im Einsatz befindliche Impfstoffe rasch ernsthaft geprüft und umgehend von den Behörden genehmigt werden. Es geht um die Erreichung der Ziele nicht um Optimierung der Eigeninteressen. Jeder muss mithelfen. Die Politik, wir Unternehmer, aber auch jede einzelne Privatperson in Eigenverantwortung. Wir in der Industrie machen dies bereits vor.“


Die Umfragemethode:
Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten gegeben: gut, durchschnittlich, schlecht. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) %-Anteile dieser Antwortkategorien, und dann wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den %-Anteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet.




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