Hotellerie
© Frederick Sams

Ende des „Auf-Zu-Tourismus“ gefordert

Spartenobmann Markus Kegele ist angesichts der aktuell aufgestellten wackeligen Maßnahmen in Gastronomie und Hotellerie besorgt über die Zukunft des Tourismus in Vorarlberg. In Anbetracht der vergangenen Monate seit Pandemieausbruch resümiert er: „Die Unternehmerinnen und Unternehmer haben die Auf-Zu-Politik satt. Und das, fast zwei Jahre nach Pandemieausbruch. Das ist eine lange Zeit, langsam sollte die Regierung mit einer Pandemie leben und handeln lernen.“ Kegele appelliert daher an die Regierung, auf langfristige Lösungen zu setzen, anstatt kurzfristig Förderungen auszuschütten.

Ein Rückblick auf das auslaufende Jahr zeigt: der Tourismus in Vorarlberg hatte es dieses Jahr schwer, gegenüber dem Ausland zu bestehen. Trotz dem Ausrufen der Modellregion Vorarlberg ab 15. März 2021 konnte dies nicht über die Unsicherheiten für Unternehmerinnen und Unternehmer genauso wie für Touristen aus dem In- und Ausland hinwegtäuschen. Aufgrund des Lockdowns war die vergangene Wintersaison für Gastronomie und Hotellerie praktisch ein Null-Summen-Spiel: „Das einzige Positive, das man der letzten Saison abgewinnen kann: Das Umsatzminus in der Saison 2020/21 kann diese Wintersaison kaum mehr getoppt werden“, sagt Kegele. Auch für weitere Branchen brachte das Minus im Tourismus massive Einbußen. So haben die pandemiebedingten Ausfälle in der Sommersaison 2020 sowie der Wintersaison 2020/21 zu einem Entgang des Regionalproduktes von 2,127 Milliarden Euro allein in Vorarlberg geführt. 

Doch es wäre nicht die Tourismusbranche, hätte sie nicht einen verbleibenden Funken Optimismus, wie der Obmann Stv. der Fachgruppe Hotellerie, René Madlener, bestätigt: „für das kommende Jahr, hoffen wir, dass die Regierung beginnt, langfristige Pläne aufzustellen und bereits im Frühjahr 2022 auch die Entwicklungen über den Sommer und vor allem deren Auswirkungen auf den Herbst und nicht zuletzt die Wintersaison 2022/23 mitbedenkt. Außerdem ist eine zeitnahe Anpassung der aktuell geltenden Maßnahmen dringend nötig, um einen ähnlich steilen Absturz des Wintertourismus wie im Vorjahr gerade noch rechtzeitig zu verhindern.“ Auch bei den Förderungen für Jungunternehmerinnen und -unternehmer, die erst kurz vor der Pandemie in die Branche einstiegen, oder für Betriebe, die sich nach Umbauten neu strukturierten, sieht Madlener Nachschärfungsbedarf.  

„Wir wollen arbeiten, nicht Förderungen kassieren“

Was die gesamte Tourismusbranche samt Hotellerie und Gastronomie eint, ist der Wunsch nach Arbeit – gemäß dem Motto: Förderungen, Hilfen und Umsatzersätze, sind gut, Orte, an denen Menschen zusammenkommen, sich austauschen und treffen können, jedoch besser. Das betrifft Gastronomie- und Hotelleriebetriebe gleichermaßen, wie auch an den Tourismus geknüpfte Branchen, etwa den Handel oder die Seilbahnunternehmen. Vor allem der Blick über den Tellerrand verärgerte so manche Unternehmerin und Unternehmer. Denn, während hierzulande vor allem die Förderpolitik florierte, konnten in der Schweiz, Deutschland und Italien Gäste aus dem In- und Ausland nächtigen und konsumieren. Trotzdem sollte der erhebliche Mehraufwand für die Betriebe durch Eingangskontrollen, nötige bauliche Maßnahmen oder zusätzlich benötigtes Personal sehr wohl abgegolten werden. „Während dies bis jetzt mittels der Mehrwertsteuersenkung auf fünf Prozent ausgeglichen wurde, ist dies ab Jänner Vergangenheit – obwohl die Aufwendungen weiter bestehen bleiben“, fordert der Obmann der Fachgruppe Gastronomie KM Mike P. Pansi einmal mehr eine Fortführung der Mehrwertsteuersenkung. 

Unplanbarkeit, Unsicherheit, Unklarheit

„Für Gäste wurde Urlaub in Österreich zum Inbegriff für: Unplanbarkeit des Urlaubs. Unsicherheit darüber, ob dieser stattfinden kann und – Unklarheit, welche Maßnahmen gelten“, ist Kegele verärgert. Pansi ergänzt: „Dem enormen Schaden, den die Gastronomie durch die Entwicklung der vergangenen zwei Jahre genommen hat, müssen wir mit massiven Anstrengungen entgegenwirken und nun unter enormen Aufwand wieder reparieren.“ Nicht zuletzt die sich ständig ändernden Einreisebedingungen nach Österreich und Rückkehrmöglichkeiten sowie Quarantäne-Befürchtungen in den Heimatländern der Gäste riefen große Unsicherheit hervor. Daher wurde oftmals auf andere Länder wie die Schweiz oder Italien ausgewichen.

Auch für die laufende Saison zeigt sich bisher ähnliches. Bis zuletzt bestand kaum Planbarkeit und große Verunsicherung der Gastronomie- und Hotellerie-Unternehmer, genauso wie deren Arbeitnehmer:innen und der Gäste selbst. Das schürt schlechte Emotionen in den Betrieben und fördert ein immer raueres Arbeitsklima. „Diese Situation und die damit einhergehenden Entwicklungen lassen eine weitere Verschlechterung der Arbeitskräftesituation im Tourismus befürchten. Und das, obwohl es eine der schönsten Branchen ist, die es gibt“, fügt der Spartenobmann hinzu. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen und voraussichtlich auch die kommende Sommer- sowie die Wintersaison 2022/23 beeinflussen. 

Auswirkungen auf die Zukunft

Der kurzfristige Schaden durch die Pandemie ist bereits sichtbar: Geschlossene Lokale und Beherbergungsbetriebe, Unzufriedenheit in der Bevölkerung, Belastungen des Gesundheitssystems sowie ganz massive psychische Belastungen. Bereits Anfang des Jahres wurde von der Abteilung für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit der Donau-Universität Krems eine Studie veröffentlicht, die zeigte, dass rund ein Viertel der Bevölkerung (26 Prozent) an depressiven Symptomen, 23 Prozent an Angstsymptomen und 18 Prozent an Schlafstörungen leiden. Da die Studie rund um den Jahreswechsel 2020/21 durchgeführt wurde und seit der vorhergehenden Erhebung im September 2020 bereits eine deutliche Verschlechterung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung zu verzeichnen war, ist davon auszugehen, dass sich die Lage während 2021 weiter deutlich verschlimmerte. Kegele weiß, dass diese Schäden auch am Tourismus nicht vorbeigehen: „Dies zeigen auch unsere zahlreichen persönlichen Gespräche und Telefonate mit Unternehmerinnen und Unternehmern aus dem Tourismus, die teils absolut verzweifelt und verärgert sind. Weiters spielen Existenzängste und familiäre Probleme eine große Rolle.“

Der langfristige Schaden der gesamten Bevölkerung werde erst in Jahren zum Vorschein kommen. Neben den direkten Auswirkungen auf den Tourismus zeigen sich auch die weitreichenden Auswirkungen des Tourismus auf die Gesamtsituation in Österreich, betont Kegele: „Der Tourismus ist in Österreich ein kleines Rädchen – bietet aber einen großen Teil der Infrastruktur für den Lebensraum der gesamten Bevölkerung. Menschen, die keine Möglichkeiten haben, sich auch außerhalb ihres Arbeitsplatzes zu beschäftigen, sei es bei einem Essen mit Freunden, oder einem Skitag mit der Familie, denen geht sehr schnell die Puste aus.“

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