Hans Peter Metzler im Interview
© Mauche Daniel

Die Öffnung aller Betriebe ist ein Muss

„Die Politik muss Wort halten und ist jetzt gefordert, die Wirtschaft aufzusperren. Unsere Betriebe länger geschlossen zu halten, ist auf keinen Fall mehr tragbar. Die Unternehmen und die Mitarbeitenden wollen arbeiten und dürfen nun nicht für politische Versäumnisse bestraft werden“, findet WKV-Präsident Hans Peter Metzler klare Worte zur Diskussion um die Verlängerung des Lockdowns.

„Nach drei Wochen Lockdown ist jetzt genug – Geduld, Durchhaltekraft und Verständnis der Wirtschaft sind nun ausgereizt. Der Winter muss für die heimischen Betriebe endlich planbar werden. Die Unternehmen wollen wieder wirtschaften, denn das ist unser aller Existenzgrundlage“, sagt Hans Peter Metzler, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Die Politik müsse Wort halten und dem Maßnahmen-Hick-Hack ein Ende setzen. „Wir müssen jetzt aufsperren, denn Aufsperren ist die beste Wirtschaftshilfe“, fordert Metzler und sagt: „Die Folgekosten der aktuellen Beschränkungen für die Vorarlberger Wirtschaft liegen bei rund 40 Millionen Euro pro Woche, insgesamt also bei etwa 120 Millionen Euro für den angekündigten dreiwöchigen Lockdown.“ Es brauche nun eine sachliche und evidenzbasierte Vorgehensweise für das Offenhalten der Wirtschaft – ein weiteres Abwarten und Zuschauen ist dem Handel, den körpernahen Dienstleistern, den Freizeitbetrieben, dem Kunst- und Kulturbereich, der Veranstaltungsbranche, den Gewerbebetrieben, dem Tourismus und der Gastronomie und vielen weiteren betroffenen Branchen nicht mehr zumutbar. 

Tourismus: Gastronomie und Hotellerie

Markus Kegele, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft: „Wir sind das einzige Land Europas, in dem die Hotels geschlossen sind. Dadurch haben wir bereits einen enormen Imageschaden erlitten und sind massiv im Wettbewerb mit unseren Nachbardestinationen benachteiligt. Wir brauchen jetzt ein Ende des Betretungsverbots ab 13.Dezember. Schließt die Politik einen Wirtschaftszweig, muss sie sich vorher über die Folgen dieser Entscheidung bewusst sein und Ausfallzahlungen bereits im Vorfeld einkalkulieren, bereitstellen und zeitnah auszahlen.“ Das ständige Schließen, Verschieben und Vertrösten zwischen Lockdown und Öffnung raube den Unternehmer:innen, Mitarbeiter:innen und Gästen mittlerweile die letzte Kraft und Motivation und fahre die Branche an die Wand. 

Handel

Der Vorarlberger Handel richtet einen klaren Appell in Richtung Politik, dass die Wiederöffnung am 13. Dezember halten muss. „Die Wochen vor Weihnachten sind für den Handel die wichtigsten Wochen des Jahres. Durch den Lockdown verlieren die heimischen Unternehmen bereits einen großen Teil des Umsatzes“, erklärt Carina Pollhammer, Obfrau Sparte Handel. Aber nicht nur für die Betriebe sei die Situation schwierig, auch für die Mitarbeitenden seien die Lockdowns eine zunehmende Belastung, führt die Spartenobfrau aus. „Wir sollten auch an die Bevölkerung denken, die Menschen wollen jetzt ihre Weihnachtseinkäufe erledigen und das Shoppingerlebnis mit einem Besuch in einem der heimischen Gastronomiebetriebe ausklingen lassen“, sagt Pollhammer und fordert: „Sowohl der Handel als auch die Tagesgastronomie müssen, weil sie zusammen gehören mit dem 13. Dezember öffnen können.“ 

Sport-, Freizeit- und Kinobetriebe

Eine Verlängerung des Lockdowns über den 12. Dezember hinaus wäre für die gesamte Vorarlberger Freizeitwirtschaft fatal und nicht mehr tragbar. „Wir fordern daher eine fixe Öffnung am

13. Dezember“, sagt Hans Bitschnau, Obmann der Vorarlberger Freizeit- und Sportbetriebe, und betont: „Zum einen konnte bisher in all unseren Branchen die lückenlose Kontrolle der jeweils bestehenden G-Regelungen problemlos durchgeführt werden. Außerdem sind die Betriebe während der Pandemie bestens vorbereitet, was auf die hervorragenden und strikten Präventionskonzepte zurückzuführen ist. Wenn unsere sicheren Branchen also von einer Verlängerung des Lockdowns getroffen werden, dann wird das wirtschaftlich nicht mehr zu stemmen sein“, stellt Bitschnau klar. Auch warnt Bitschnau von Öffnungs-Fleckerlteppichen, die in einer erneuten Benachteiligung der Freizeit- und Sportbetriebe gegenüber anderen Branchen in der Öffnungsphase münden würden. Ohnehin schwanke die Stimmung – egal ob bei Fitnessstudiobetreibern, Tanzschulen, Campingplätzen, Kinos oder anderen Freizeit-, Sport- und Kulturbetrieben – zwischen Verzweiflung und Frustration. „Für Verständnis und Geduld bleibt jedenfalls nicht mehr viel Platz.“ 

Körpernahe Dienstleister

„Die körpernahen Dienstleister haben nach den vorangegangenen Lockdowns mehrfach gezeigt, wie ein Aufsperren unter sicheren Bedingungen funktioniert“, betont Günther Plaickner, Innungsmeister der Friseure: „Wir appellieren dringend an die Regierung, den anvisierten Öffnungstermin einzuhalten.“ Eine baldige Öffnung sei wirtschaftlich essenziell, denn ein längerer Lockdown wäre für die Branche eine wirtschaftliche Katastrophe. „Es kommt jetzt auf jeden Euro an, im Dezember werden Weihnachtsgelder, doppelte Krankenkassenbeiträge sowie die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft und die Einkommenssteuervorauszahlung fällig“, erklärt Plaickner. Die heimischen Betriebe sind bestens für ein sicheres Öffnen am 13. Dezember vorbereitet. „Wir können durch unsere Terminplanung die Kundenströme wirksam steuern und entflechten – das gelingt aber nur, wenn wir genügend Öffnungstage vor den Weihnachtsfeiertagen zur Verfügung haben“, betont der Innungsmeister.

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