51. Vorarlberger Bautage

Branche sieht Auswirkungen der globalen Konjunkturbremse

Traditionell treffen sich Vorarlbergs Bauunternehmer zu Jahresbeginn zum Branchenaustausch im Rahmen der Vorarlberger Bautage. Nach Jahren stetigen Wachstums sieht die Vorarlberger Bauwirtschaft eine Verlangsamung der Konjunktur. Drei Jahre Pandemie, der Ukrainekrieg,  damit verbunden hohe Energiepreise, Inflation und höhere Materialpreise zeigen durchaus Auswirkungen. Dennoch bleibt die heimische Bauwirtschaft ein stabiler Wirtschaftsfaktor.  

Teilnehmende aus ganz Österreich wurden kürzlich zu den 51. Vorarlberger Bautagen in Lech begrüßt. Ein Highlight bildete der Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Peter Filzmaier, der über das Verhältnis Unternehmer, Politik und Medien referierte und dabei den Teilnehmer:innen tiefergehende Einblicke vermitteln konnte. Traditionellerweise wurden am zweiten Tag die Konjunkturdaten des vergangenen Jahres durch Vertreter der Bundesinnung Bau erläutert. Im Anschluss legte Wirtschaftslandesrat Mag. Marco Tittler landesspezifische Daten, anstehende Großprojekte sowie mögliche Prognosen für das kommende Jahr dar.  

Wohnbau unter Druck 

Derzeit stellt sich die Situation im Wohnbaubereich drastisch dar, da bedingt durch die Überlagerung mehrerer Faktoren für die heimischen Betriebe äußerst herausfordernde Rahmenbedingungen entstanden sind. Aufgrund dieser Gesamtsituation erwarten die heimischen Bauunternehmer und Wohnbauträger einen Rückgang im Wohnbaubereich, vereinzelt wird sogar von einem zeitweiligen Stillstand ausgegangen. Bauträger (gewerblich wie gemeinnützig) stehen vor schwierigen Herausforderungen, was grundsätzlich zu einem defensiveren Verhalten am Markt führen wird. Einschätzungen, dass die Errichtungskosten zukünftig sinken, werden seitens der Branche jedoch nicht geteilt. Bei Beton und Baurohstoffen wurden bereits weitere Preissteigerungen bis zu 20 Prozent angekündigt.  

Kreditvorgaben – Wohnbauförderung

Die strengeren (nur national geltenden) Regeln bei Kreditvergaben ver- bzw. behindern die Möglichkeit, Wohnungseigentum leistbar zu halten. Gerade die scharfen Vorgaben an die Eigenmittelquote sowie die Beschränkung der Kreditraten anhand des Netto-Haushaltseinkommens stellen teils unüberwindbare Hürden besonders für junge Menschen dar. Hinzu kommen die hohe Inflation, steigende Zinsen und höchst volatile Energiepreise, welche den Menschen zunehmend Sorgen bereiten. Die Wohnbauförderung wird zukünftig eine wesentlich stärkere Rolle einnehmen – hier wird abzuwarten sein, wie die Vorgaben der überarbeiteten Richtlinien zu erfüllen sind. Übersichtlichere, klarere Vorgaben sind jedenfalls zu begrüßen, jedoch muss die Förderung am Markt abbildbar sein. Es besteht der Wunsch, den in der Richtlinie genannten maximalen Grundkostenanteil anzuheben, um die Förderung an die (Markt-) Realität anzupassen.  

Auftragsvolumen - Preise

Die teils noch gefüllten Auftragsbücher sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Ertragslage für die heimischen Betriebe verschlechtert hat. Unverhältnismäßig stark gestiegene Energie- und Materialpreise können vertragsbedingt meist nicht an die Auftraggeber:innen weitergegeben werden und sind durch die Betriebe zu stemmen. Für das Jahr 2023 wird in allen Bereichen ein Rückgang des Auftragsvolumens im zweistelligen Bereich erwartet. Dennoch zeigt sich die Bauwirtschaft als stabile und krisenerprobte Branche sowie als zuverlässige Arbeitgeber:in und Auftragnehmer:in. Bei den massiven Energiepreissteigerungen ist seitens der Politik rasch gegenzusteuern, ebenso müssen die im August 2022 in Kraft getretenen verschärften Vergabekriterien für Immobilienkredite schnellstmöglich entschärft werden. 

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