Hans Peter Metzler mit Peter Borchers
© Mauche Daniel

„Nicht innovativ zu sein, ist das größte Risiko“

Für Peter Borchers hat Zusammenarbeit mit Start-ups viel Potenzial.

Peter Borchers gilt als einer der führenden Experten, wenn es um die Zusammenarbeit von etablierten Unternehmen und Start-ups geht. Unter anderem gründete und leitete er mit dem Hubraum das Startup-Programm der Deutschen Telekom. Heute ist er Professor an der ESCP Business School Paris und begleitet Unternehmen beim Aufbau ihrer eigenen Startup-Programme.

Aufholbedarf in Vorarlberg

Gestern Abend sprach er auf Einladung der Wirtschaftskammer vor ausverkauftem Haus in der Postgarage Dornbirn über die Bedeutung dieses „Innovationsinstruments“. Denn in Vorarlberg gebe es noch Aufholbedarf, was diese neue Form der Zusammenarbeit betreffe, sagen Präsident Hans Peter Metzler und Bianca van Dellen, Leiterin der wirtschaftspolitischen Abteilung.

„Meist fürchten sich beide Seiten voreinander. Die ersten Schritte sind da oft hölzern“, sagt Borchers im VN-Gespräch. Dabei würden Start-ups gerne mit etablierten Firmen zusammenarbeiten. Um beide Seiten zu verbinden, brauche es einen Dolmetscher, um kulturelle Barrieren zu überwinden.

Auch wenn die Art der Zusammenarbeit noch in den Kinderschuhen stecke, gebe es durchaus Erfolgsbeispiele und dementsprechend ein gewisses Handwerkszeug. Ob ein Unternehmen dabei eine eigene Innovationsabteilung aufbaue oder mit einem Start-up zusammenarbeite, sei keine Entweder-oder-Entscheidung. „Ein Start-up löst die interne Innovation nicht ab, sondern erweitert die Werkzeuge“, betont der Experte. Wichtig sei nur, dass Innovation Chefsache ist. Der Geschäftsführer müsse sich gezielt dafür einsetzen und die Wichtigkeit zeigen. „Innovation muss vom Management gewollt und gewünscht sein.“

Bei der Art der Zusammenarbeit gebe es verschiedene Zugänge. „Es kann ein informeller Austausch sein, um sich kennenzulernen und Scheu abzubauen. Oder man kann sich durch Investments ein Portfolio an Start-ups aufbauen. Letztlich muss das Mittel zum Zweck passen. Das heißt, ich muss wissen, was erreicht werden soll. Will ich Umsatz oder Effizienz steigern, ist es sinnvoll, sich an ein etabliertes Start-up zu richten. Will ich mich gegen disruptive Veränderungen absichern, kann man sich langfristig an verschiedenen Technologie-Start-ups beteiligen“, so Borchers. Eine finanzielle Beteiligung sei also nur eine Möglichkeit.

Auf dem Karussell

Aber somit sei der erste Schritt getan. „Erfolgreiche Unternehmen tun sich schwer, Fehler zuzulassen, aber wo Innovation passiert, gehören sie dazu“, betont Borchers. Denn letztlich sei Innovation wie ein Karussell, das sich immer schneller dreht. „Unternehmen müssen sich der Geschwindigkeit anpassen und agiler werden, sonst fallen sie herunter.“ Am besten passiere das aus einer Position der Stärke heraus, weil man dann die nötige Ruhe und Geduld dafür habe. Nicht tätig zu werden, sei somit das größte Risiko für Firmen.

Quelle: Vorarlberger Nachrichten 17.09.2021 - VN-reh


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