Carina Pollhammer
© Helge Kirchberger Photography.

„Halbe-Halbe“: Pensionssplitting als faire Möglichkeit 

Bis zu 50 Prozent der Teilgutschrift aus Erwerbstätigkeit können auf das Pensionskonto jenes Elternteils übertragen werden, der den Großteil der Kindererziehung übernimmt.

In Österreich gibt es bereits seit 2005 die Möglichkeit des Pensionssplittings. Die Zahl der Anträge nimmt stetig zu, ist aber nach wie vor auf einem geringen Level. „Im Jahr 2020 haben sich in Österreich 951 Paare zum Pensionssplitting entschieden, das sind lediglich 2,5 Prozent der Eltern in Österreich. Die Gründe dafür, dass der Anteil so niedrig ist, sind vielfältig. Nicht zuletzt liegt es auch daran, dass die Information über diese Möglichkeit vielfach fehlt“, stellt Carina Pollhammer, Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft Vorarlberg fest und führt weiter aus: „In anderen Ländern wie der Schweiz oder Schweden ist man da deutlich weiter, diese haben bereits vor Jahren ein automatisches Splitting installiert.“

Um die Möglichkeit des Pensionssplittings in Anspruch zu nehmen, müssen Eltern nicht verheiratet sein, zudem kann die Teilung sowohl für leibliche als auch Adoptiv- und Pflegekinder beantragt werden. Dabei werden bis zu 50 Prozent der Pensionsgutschrift des berufstätigen Elternteils nach der Geburt des Kindes auf das Pensionskonto des Partners, der sich der Kindererziehung widmet, übertragen. Diese Überlassung kann bis zum siebten Lebensjahr des Kindes vereinbart und bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes rückwirkend beantragt werden. Bei mehreren Kindern ist ein Pensionssplitting für maximal 14 Kalenderjahre beantragbar.

Für beide Elternteile möglich

„Das Pensionssplitting ist eine Möglichkeit, um die unentgeltliche Sorgearbeit eines Elternteiles zu honorieren und damit eine Gleichwertigkeit zur Erwerbstätigkeit zu erreichen“, betont Carina Pollhammer: „Und dabei ist es nicht von Bedeutung, wer die Kinderbetreuung übernimmt. Beide Elternteile können das Pensionssplitting veranlassen.“ Arbeit und Haushalt sind gleichwertige Tätigkeitsbereiche, das Familieneinkommen sollte während der Kinderbetreuung dementsprechend fair auf beide Partner aufgeteilt werden – inklusive Pensionsansprüche. 

Teilzeitfalle

Nach wie vor liegt die Kinderbetreuung zu großen Teilen in den Händen der Frauen, die demnach häufiger in Karenz gehen und im Anschluss vielfach in Teilzeit arbeiten. Die fehlenden Beitragsjahre lassen sich bis zum Pensionsantrittsalter nicht wieder aufholen. Durch das niedrigere Pensionsantrittsalter werden die Unterschiede noch verstärkt, sodass Frauen im Durchschnitt zehn Beitragsjahre weniger aufweisen. Das hat zur Folge, dass jene Frauen, die mehrere Jahre nicht erwerbstätig waren, im Alter besonders armutsgefährdet sind. 

Automatisches Pensionssplitting wünschenswert

Wie eingangs bereits erwähnt, gibt es bereits mehrere europäische Länder, die ein automatisches Pensionssplitting eingeführt haben. In Schweden können sich die Elternteile aber auch bewusst gegen eine solche Teilung aussprechen, womit der Freiwilligkeitsgrundsatz bestehen bleibt. In Österreich hingegen müssen sich beide Elternteile derzeit noch bewusst für eine Überlassung entscheiden, eine entsprechende Vereinbarung treffen und schließlich einen Antrag bei der Sozialversicherung stellen. Allerdings ist das automatische Pensionssplitting auch Teil des aktuellen Bundes-Regierungsprogramms 2020-2024. Frauenministerin Susanne Raab kündigte zudem in einer Aussendung rund um den Equal Pension Day (30.Juli) an, dieses Thema priorisieren zu wollen.

Eines stellt die FiW-Vorsitzende Pollhammer aber abschließend klar: „Auch wenn Pensionssplitting an sich eine gute Sache ist und für mehr Fairness hinsichtlich der Pensionsjahre sorgt, löst sich dadurch das Problem der mangelnden Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht. Um die hohe Teilzeitquote bei Frauen zu senken, wäre vor allem eine flächendeckende Kinderbetreuung erforderlich, deren Öffnungszeiten eine Vollzeitbeschäftigung zulassen.“ Derzeit können Eltern gerade in ländlichen Regionen von ganztägigen Kindergartenöffnungszeiten und einer kostenlosen oder leistbaren Nachmittagsbetreuung in Schulen vielfach nur träumen.

Weitere Infos zum Pensionssplitting und zur Antragstellung gibt es auf der Website der Sozialversicherung: www.sozialversicherung.at

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