Joachim Heinzl
© StudioWälder

Resilienz als Schlüssel

Unter ökonomischer Resilienz wird laut Definition der Bertelsmann Stiftung „die Fähigkeit einer Volkswirtschaft, vorbereitende Maßnahmen zur Krisenbewältigung zu ergreifen, unmittelbare Krisenfolgen abzumildern und sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen“ verstanden. 

In einer sich immer rasanter ändernden Welt ist Resilienz meines Erachtens der Schlüssel für eine nachhaltige positive Wirtschaftsentwicklung, die Absicherung von Beschäftigung und die Generierung von Wohlstand. Diese Anpassungsfähigkeit ist gerade in Zeiten einer weltweit grassierenden Pandemie gefragter denn je - hat sie uns doch die Verwundbarkeit international vernetzter Wirtschaftssysteme aufgezeigt.

Nun stellt sich die berechtigte Frage: Wie resilient ist die heimische Wirtschaft gerade in Zeiten einer Pandemie? Im Rahmen einer breit angelegten Studie sind wir dieser Frage im Kontext der produzierenden Wirtschaft nachgegangen, da neben den direkt vom Lockdown betroffenen Wirtschaftsbereichen gerade auch die produzierende Wirtschaft aufgrund ihrer starken internationalen Vernetzung von Werksschließungen, Produktionsunterbrechungen und beeinträchtigten Logistikketten betroffen war. Ohne diese Studie im Detail zu zitieren (sie kann unter www.wisto.at/studien/wertschoepfungsketten nachgelesen werden), lassen mich folgende drei Erkenntnisse zuversichtlich in die Zukunft blicken: 

Erstens macht uns die Diversität der Vorarlberger Wirtschaft resilient gegenüber ökonomischen Schockereignissen. Während einzelne Wirtschaftsbereiche stark von pandemiebedingten kundenseitigen Nachfragerückgängen betroffen waren, wurden in anderen Bereichen, wie beispielsweise der Lebensmittelindustrie, sogar Umsatzzuwächse verzeichnet. Damit ist der wirtschaftliche Rückgang in Vorarlberg deutlich geringer ausgefallen als in vergleichbaren Regionen. Diese Diversität gilt es zu erhalten bzw. weiter auszubauen.

Zweitens verfügen heimische produzierende Unternehmen über eine hohe Adaptivität, was neue oder geänderte Gegebenheiten betrifft. Die meisten Unternehmen haben bereits während des ersten Lockdowns ihre Einkaufsstrategien angepasst - sprich weniger „Just-in-time“ und mehr Lagerhaltung auf Basis diversifizierter Lieferanten. Nicht zuletzt dadurch wurden kaum Ausfälle auf der Lieferantenseite verzeichnet. 

Drittens helfen die sehr hohe Innovationskraft und ein ausgeprägter Erfindergeist gepaart mit einer hohen Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmerschaft, sich schnell an neue Rahmenbedingungen anzupassen bzw. auf Marktchancen zu reagieren. Während andere Regionen in Europa sich in China um Schutzmasken gestritten haben, hat ein Vorarlberger Konsortium qualitativ hochwertigere Schutzmasken vor Ort hergestellt und die Region Vorarlberg versorgt.

Diese Vorarlberger Tugenden werden uns auch dabei helfen, die großen Herausforderungen der Zukunft - wie etwa die erforderliche Anpassung an den Klimawandel - zu meistern und die Chancen, die sich daraus ergeben, bestmöglich zu nutzen. Trotzdem sei an dieser Stelle erwähnt: Zur Absicherung der hohen Resilienz der heimischen Wirtschaft und damit verbunden zur Absicherung von Beschäftigung und Wohlstand braucht die Wirtschaft entsprechende Rahmenbedingungen. Dafür ist ein Schulterschluss aller Akteure erforderlich.

 

 

Gastkommentar

Jimmy Heinzl, Geschäftsführer Wirtschafts-Standort Vorarlberg GmbH (WISTO)

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