Peter Keckeis
© Keckeis

„Wir haben ein turbulentes Jahr hinter uns gebracht“

Die heimische Bauwirtschaft ist insgesamt gut durch das von der Pandemie dominierte Jahr gekommen. Vorsichtig optimistisch sind die Erwartungen an 2021, wie Innungsmeister Peter Keckeis im Interview berichtet.

Ist die Bauwirtschaft in Vorarlberg durch eine gewisse Krisenresistenz positiv durch das Jahr gekommen?
Wir haben Ende 2020 unsere traditionelle Blitzumfrage durchgeführt. Dieses Stimmungsbild aus den Vorarlberger Bauunternehmen zeigt sich nach dem Corona-Jahr und einer bereits im Vorjahr spürbaren leichten Konjunkturabflachung immer noch positiv. Im Vergleich zum Dezember 2019 wird die Auftragslage von den Bauunternehmern aktuell mit einem leichten Plus eingeschätzt. Auch die Auftragslage für das erste Halbjahr 2021 wird konstant bzw. mit einem leichten Zuwachs positiv gesehen.

Aber in manchen Bereichen gibt es noch Sorgen?

Ja, das sieht man daran, dass die Einschätzungen nun deutlich niedriger ausfallen als noch im Dezember 2019 – vor einem Jahr wurden sowohl der Auftragsstand als auch die Erwartungen an das erste Halbjahr 2020 mit einem Plus von zehn Prozent angegeben. Man spürt die Verunsicherung vor allem von kleineren Bauunternehmern, die oft in den Tourismus-Regionen tätig sind. Diese Situation trifft auch viele kleine Handwerker und Gewerbetreibende.

Trotz der Corona-Folgen und dem Umgang mit der Pandemie steht in diesem Jahr einiges an...

Auch die Bauunternehmen und ihre Mitarbeiter waren gefordert, die Covid-19 Maßnahmen konsequent einzuhalten. Im Gegensatz zum ersten Lockdown im März und April hat der zweite Lockdown im Herbst für die Bauwirtschaft keinen Stillstand gebracht. Man hat gelernt, mit der Pandemie umzugehen und blickt mit Zuversicht nach vorne: Das Investitionsprogramm für den Landesstraßenbau wird auch in diesem Jahr in seiner Größenordnung unverändert bleiben und leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur stabilen Arbeitsplatzsituation. Außerdem stellen wir derzeit aufgrund der Investitionsförderungen eine deutlich gestiegene Nachfrage von Gewerbe und Industrie fest. Die AWS-Investitionsprämien haben in einigen Branchen eine verstärkte Nachfrage ausgelöst und werden im kommenden Jahr noch einiges an Dynamik in die Bauunternehmen bringen.

Aber auch wegen wichtigen Großprojekten...

Dieses Jahr sollen tatsächlich einige Großprojekte umgesetzt werden: Im Straßenbau etwa der neue Autobahnknoten Dornbirn-Süd mit umfangreichen Bauarbeiten an der L39 und L45, weitere Vorarbeiten für den Stadttunnel Feldkirch, die Verbindung Lech-Warth, Sanierung und Ausbau der Viktorsbergerstraße oder umfangreiche Sanierungen bei der A14 im Bereich Nüziders-Bürs. Größere Projekte im öffentlichen Bereich sind unter anderem der Ausbau der Volksschule, der neuen Mittelschule und Polytechnischen Schule in Hittisau, die Aufstockung des Mitteltrakts Süd beim Landeskrankenhaus Feldkirch sowie umfangreiche Um- und Neubauten beim LKH Rankweil.

Bleiben die Bereiche Wohnbau und Sanierung weiterhin Konjunkturtreiber

Sie können jedenfalls eine zuverlässige Auftragslage vorweisen und werden auch 2021 für eine gute Auslastung der Betriebe sorgen, allerdings nicht mehr in dem Ausmaß wie in den letzten Jahren. Während vor einem Jahr noch rund zehnprozentige Zuwächse erwartet wurden, liegen jetzt die Erwartungen im ersten Halbjahr 2021 an den Wohnbau bei knapp zwei Prozent, bei den Sanierungen bei gut drei Prozent. Eine leichte Entspannung im gemeinnützigen Wohnbau macht sich für 2021 bemerkbar, zugleich investieren viele Menschen in Wohnqualität und sanieren ihre Häuser und Wohnungen. Auch zahlreiche ältere Wohnanlagen werden nach wie vor optisch und energetisch auf den neusten Stand gebracht.

Auf dem neuesten Stand ist aber auch der Ausbildungsbereich. Die Innung hat hier einiges vorwärts gebracht...

Die anfangs erwähnte Krisenresistenz können wir auch auf einen anderen entscheidenden Faktor zurückführen. Nämlich, dass kein Personal abgebaut wurde. Gerade in unsicheren Zeiten werden zuverlässige Arbeitgeber gesucht und geschätzt. Geblieben ist uns jedenfalls der Fachkräftemangel: Nach wie vor wird dringend nach Facharbeitern und Lehrlingen gesucht. Laut unserer aktuellen Umfrage wollen die Unternehmen im kommenden Jahr ihren Personalstand jedenfalls erhöhen, bei den Lehrlingen ist sogar eine Aufstockung um vier Prozent geplant. Für eine Lehre am Bau spricht aber nicht nur die Sicherheit des Arbeitsplatzes. Auch die Qualität der Ausbildung wurde in den letzten Jahren ständig weiterentwickelt und verbessert. Die zunehmende Digitalisierung am Bau hat einen wichtigen Platz als neuer Ausbildungsschwerpunkt. Derzeit werden über 200 Lehrlinge in der heimischen Bauwirtschaft ausgebildet.

Vielen Dank für das Interview!

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