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„Wir haben uns beim Biken getroffen und machen jetzt gemeinsam RADAU“

Vor einem Jahr haben Anton Meusburger und sein Geschäftspartner Philipp Giselbrecht das Bikegeschäft RADAU in Andelsbuch eröffnet. Vom Gründungsentschluss bis zur Eröffnung vergingen gerade einmal 2,5 Monate.

Warum wurde es bei euch ein Fahrradgeschäft?
Philipp: 2020 waren wir zusammen beim Biken in der Lenzerheide, da habe ich mit Anton das marode Bike von einem Kollegen repariert. Dabei wurden wir gegenseitig auf die Interessen und Fähigkeiten des anderen rund ums Thema Bike aufmerksam. Wir waren davon überzeugt, dass es gerade im Mittelbregenzerwald Potenzial für ein ganzjähriges Bike-Fachgeschäft gibt, dass die Bedürfnisse des Bikers versteht und professionellen Service rund ums Fahrrad anbietet.

Im ersten Bikeshop im Bregenzerwald sind unter anderem die „schnelle Susi“ oder der „notwendige Norbert“ anzutreffen…
Anton: Schon der Name „RADAU“ lässt erahnen, dass wir einiges anders machen wollten als die anderen. Im Fokus unseres Tuns war ein schickes Geschäft im urbanen Look, dass leidenschaftliche Mountainbiker anspricht. Wir möchten als Fachgeschäft am Puls der Zeit sein und Sortimente anbieten, die die Großen vielleicht noch nicht für sich entdeckt haben oder erst gar nicht erhalten. Von Bikern für Biker eben – ehrliche transparente Beratung auf Augenhöhe von einem inhabergeführten Shop inklusive.
Philipp: Im Grunde können wir den nackten Mountain-Biker von Kopf bis Fuß mit Schuhen, Bekleidung und Protektoren einkleiden und ihm das passende Bike dazu anbieten. So sind auch die Service-Angebote in unsere Fachwerkstatt in der Namengebung etwas ausgefallen. Statt kleinem Service und Gabelservice gibt es bei uns die „schnelle  Susi“ und den „notwendigen Norbert“. Unser Mechaniker bringt annährend 20 Jahre Erfahrung mit und ist mit Leidenschaft bei der Arbeit. Wir hatten immens Glück bei der Suche nach Mechanikern. Beide waren von unserer Idee so begeistert, dass sie ihren alten Job kündigten, ehe sie bei uns einen Arbeitsvertrag unterschrieben hatten.

Ihr habt gemeinsam viele Grundlagen mitgebracht, die euch beim Gründen sehr geholfen haben.
Anton: Nach der HAK ging ich zum Steuerberater und übernahm dann vor rund zehn Jahren gemeinsam mit meinem Bruder das Autohaus Meusburger von unserem Vater.
Philipp: Ich studierte Handel und Marketing in Innsbruck und hatte zuletzt die weltweite Marketing- und Produktmanagementleitung bei Kästle in Hohenems inne. Anton hat schon die drei Saisonen zuvor erfolgreich E-Bikes der Marke Fantic als „Zusatzverkauf“ zum Auto im Autogeschäft verkauft und Erfahrungen gesammelt. 2020 lief der E-Bike-Verkauf dann so gut, dass Anton es auf professionellere Beine stellen wollte – Angebot von Zubehör und Fachwerkstatt – und hat mich gefragt, ob ich ihm dabei helfen könne. Nach ein paar Bier war uns klar, dass wir an die Idee eines ganzjährigen Bikegeschäfts im Mittelbregenzerwald glauben: RADAU war geboren.
Anton: Erfahrung hin oder her. Alles was man zum ersten Mal macht ist eine Herausforderung – die Gründung eines Unternehmens ganz besonders. Und hier ist es gut, wenn man beispielsweise im Gründerservice der Wirtschaftskammer kompetente Ansprechpersonen hat, die einem schnell und unkompliziert weiterhelfen.

Vom Gründungsentschluss bis zur Eröffnung vergingen gerade einmal 2,5 Monate…

Philipp: Warum es nur 2,5 Monate vom Entschluss, RADAU zu gründen bis hin zur Shop-Eröffnung dauerte? Anton brachte als Geschäftsführer im Autohaus Erfahrung in finanziellen, steuerlichen sowie rechtlichen Angelegenheiten mit.
Anton: Und Philipp konnte dies um sein Netzwerk und die Expertise in der Sportbranche sowie Erfahrung im Marketing ergänzen. Auch war er bereits zehn Jahre für ein Einzelhandelsunternehmen tätig und wusste um die Wichtigkeit von Sortimentsplanung und EDV-unterstützter Warenwirtschaft. Zugegeben es war dann schon sehr stressig bis zur Eröffnung – Ladenbau, Marketing, Firmengründung, Einkauf und und und. Als wir am ersten April eröffneten, hatten wir weder eine UID-Nummer noch war unsere Kassa funktionsbereit. Aber ich glaube als Unternehmer muss man improvisieren, will man erfolgreich und schneller sein als seine Mitbewerber…
Philipp: Als wir die Marke Mons Royal einkaufen wollten, mussten wir zuerst „vorsprechen“ und uns vorstellen. Zum Glück hatte er wie viele andere Vertrauen in uns, doch eines gab man uns zum Abschluss mit: „Normalerweise gründet man zuerst eine Firma, dann kauft man ein und das Ganze macht man im Sommer für das darauffolgende Frühjahr. Ihr kommt an Dreikönig daher, wollt groß einkaufen und habt noch nicht einmal die Firma gegründet“.
Anton: Darauf antwortete Philipp: „Richtig – und zwar zu Vororderkonditionen“…

Was ist in Bezug auf Corona die große Herausforderung beim Gründen?
Philipp: Dass man heute nicht weiß, was morgen passiert. Ich kann mich noch gut erinnern: Unser Start war denkbar schwer, als wir im April eröffneten. Im Eröffnungsmonat hat es an 12 Tagen geschneit, dann war der Bregenzerwald Corona-Hotspot und wurde hermetisch abgeriegelt. Kunden vom Rheintal mussten sich testen lassen, damit sie zu uns fahren durften. Was sie in der Tat taten, denn wir haben einige Marken exklusiv in Vorarlberg - entsprechend groß war und ist die Anziehungskraft von RADAU.
Anton: Die immens gestiegene Nachfrage nach E-Bikes in Kombination mit coronabedingten Produktionsausfällen in Asien und einem Zusammenbruch der Überseelogistik hat dazu geführt, dass Ersatzteile für Reparaturen über zwölf Monate Lieferzeit haben – das ist eine wahre Katastrophe. Hinzu kommt, dass Bikes eine Lieferzeit von bis zu 26 Monate haben. Welcher Kunde will heute ein Bike bestellen, dass er erst in zwei Jahren erhält? Entsprechend müssen alle Händler vorab ein großes finanzielles Risiko eingehen und eine große Palette an Bikes Monate im Voraus einkaufen, ohne zu wissen, ob die Nachfrage dafür in eineinhalb Jahren gegeben ist.
Philipp: Außerdem haben sich die Lieferzeiten von Ersatzteilen und Rädern noch mehr verschlechtert. Abgesehen davon, dass die Preise bei Fahrrädern innerhalb eines Jahres um zehn bis 15 Prozent gestiegen sind, während sich die Margen der Händler von einem Jahr auf das andere verschlechtern. Die Begründung lautet oft: „Das ist jetzt so. Akzeptiere es oder verzichte auf die Lieferung.“


Was macht Vorarlberg zu einem attraktiven Gründerstandort?

Anton: Vorarlberg mag zwar auf der Landkarte klein und unbedeutend sein. Aber ein Blick auf die Unternehmenslandschaft zeigt, dass es annähernd zehn Unternehmen mit einer Milliarde Euro Umsatz oder mehr gibt. Entsprechend ist Kaufkraft im Ländle vorhanden. Das macht es für Handelsbetriebe attraktiv.
Philipp: Hinzu kommt, dass gerade im Bregenzerwald Kunden was „ghörigs“ kaufen wollen und bereit sind, etwas mehr für ein hochwertiges und langlebiges Produkt auszugeben. Mit dem Gründerservice, Förderservice oder Initiativen wie Startupland bekommt man auf dem Weg in die Selbstständigkeit jedenfalls sehr viel Unterstützung und kann in wertvolle Netzwerke eintauchen. Den Mut zum Gründen muss man aber selbst mitbringen: Wir glauben stark an unsere Idee und arbeiten täglich für deren Umsetzung.

Interview: Simon Groß

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